Vor wenigen Wochen noch hat die Bundesregierung die von DGB-Chef Sommer und der Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan prognostizierten “sozialen Unruhen” als angeblichen “Unsinn” zurückgewiesen. Nun spricht sie selbst von erwarteten “erheblichen Verteilungskonflikten”. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sieht auf die Bürger nach der Bundestagwahl im September 2009 schwere Zeiten zukommen. Und so ruhig, wie Deutschland heute noch ist, wird es nach der Wahl nach seinen Angaben wohl nicht mehr bleiben. Er sagte dazu in einem Interview: “Eins ist deshalb schon jetzt klar: wie immer die Regierungskonstellation nach dem 27. September aussehen wird – es wird erhebliche Verteilungskonflikte geben.”
In der schwedischen Kleinstadt Vännäs (Provinz Västerbotten) kam es am 10. Mai zu Auseinandersetzungen zwischen der schwedischen Bevölkerung und den ihr zugemuteten “Flüchtlingen” aus dem Irak. Diese werden als bürgerkriegsähnlich beschrieben. So hat sich bei der schwedischen Bevölkerung von Vännäs inzwischen offenbar ein Hasspotential angestaut, das dazu führte selber Maßnahmen zu ergreifen, ehe man soweit in der Minderheit ist, dass die andere Seite in der Lage ist, Maßnahmen zu ergreifen.
Der 222. Pranger wäre durchaus ein Anlaß, eine Flasche Whiskey zu trinken und dann versuchen, so witzig zu schreiben, wie es der Alkohol einem eingibt. Vielleicht ist es die Feigheit vor dem Kater am nächsten Tag, ich habe mich für einen normalen, einen ernsten Text entschieden. Als Krisenprophet, der noch dazu mit dem Phasenzähler eine Art “Weltuntergangsuhr” (im Original “Doomsday-Clock”) führt, hält man ständig Ausschau, wie weit die Dinge bereits fortgeschritten sind. Dabei ähnelt man christlichen Fundamentalisten, die immer wieder in den Himmel schauen, in der Hoffnung, dort das Zeichen des Herrn zu erblicken, das den jüngsten Tag ankündigt.

Neueste Kommentare