Ungarn: Publizistikpreis für Rechtsrock-Gruppe

  • Preisgekrönter Fremdenhass


    Rechtsrock, der gegen Juden hetzt; ein Fernsehmoderator, der Roma als “Menschenaffen” verunglimpft – beides preisgekrönt. Der bekannteste Publizistik-Preis Ungarns geht gleich mehrfach an Rechtsextreme. Ein Vorfall, der viel über das heutige Ungarn verrät.


    November 2012: Ungarns bekannteste Rechtsrock-Band “Kárpátia” spielt auf – mitten in Budapest. Mehrere hundert Fans sind gekommen, manch einer hebt den Arm zum Hitlergruß. An Verkaufsständen werden Großungarn-Aufkleber verkauft – das Thema der Band. Sie will die Grenzen Ungarns korrigieren. “Nein, Nein, Niemals” – können die Fans mitgrölen.


    “Nein, Nein, Niemals”, das war das außenpolitische Motto des autoritären Herrschers der Zwischenkriegszeit, Miklós Horthy. Er wollte die nach dem ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete Ungarns zurück bekommen. Sänger János Petras bedient bei diesem Konzert alle Erwartungen seiner rechtsextremen Fans. Er hetzt gegen Roma – und gegen Juden.


    “Ich glaube an Ungarns Wiederauferstehung”


    So erzählt er von einem ungarischen Schulmädchen: ”Sie erzählte uns, dort wo sie in die Schule geht, muss sie einmal im Monat Jüdische Riten und Lieder lernen. So weit ist es schon. Warum kann man nicht wieder dorthin zurück, in die Zwanziger Jahre, als in den Schulen folgendes gebetet wurde: Ich glaube an einen Gott, ich glaube an meine Heimat, ich glaube an göttliche Gerechtigkeit, ich glaube an Ungarns Wiederauferstehung.”


    An die glaubt auch die rechtskonservative Regierung Orbán. Sie knüpft an die Horthy-Zeit an. Denkmäler werden aufgestellt, Plätze nach dem autoritären Herrscher benannt. Und Rechtsextreme wurden jetzt mit dem bekanntesten Publizistik-Preis des Landes ausgezeichnet. Etwa Kárpátia-Sänger János Petrás. Ein rechtsextremer Archäologe.


    Roma gleich “Menschenaffen”


    Und auch der Fernsehmoderator Ferenc Szaniszló. Im regierungsnahen “Echo TV” sagte er einmal: “Da ist die Zigeuner- und Judenfrage. Der Mensch wird durch Arbeit zum Menschen. Wer nicht arbeiten muss, weil er – auch als Arbeitsloser – soviel oder mehr bekommt, als der, der sich sein Leben lang abstrampelt – der hat das Glück gepachtet, im Vergleich zu uns Sklaven.”


    Weil er Roma als “Menschenaffen” verunglimpft hatte, brummte die Medienbehörde seinem Sender eine Geldstrafe auf. Das focht den zuständigen Minister Zoltán Balog nicht an. Er sagte bei der Preisverleihung: ”Diese Preise, die wir heute übergeben, sie drücken die Resonanz des Publikums aus, seinen Dank. Ihre Werke adoptieren wir, aus ihnen schöpfen wir. Und in Ihren Werken sehen wir jene Wege, die wir beschreiten müssen, wenn wir wirklich geadelt werden wollen.”
    Ein “bedauerlicher” Vorfall


    Führende Publizisten gaben daraufhin ihre Preise zurück, die nach dem sozialistischen Reformer und Publizisten Mihály Táncsics benannt sind. Der Vorsitzende des Ungarischen Journalisten-Verbandes, Károly Tóth, der früher für die Preisvergaben zuständig war, schüttelt nur den Kopf. ”Wenn er diese Arbeiten für einer Auszeichnung würdig hält, dann glaube ich, gibt es dort ein Problem. Der Minister kann natürlich auswählen, wen er für preiswürdig hält, aber, wenn er den Preis dann vergibt, dann übernimmt er auch Verantwortung. Und die besteht darin, ob die Arbeit mit dem geistigen Erbe von Mihály Tancsics harmoniert. Ich glaube das nicht.”


    Mittlerweile gibt sich der Minister ahnungslos. Die umstrittenen Äußerungen Szaniszlós seien ihm nicht bekannt gewesen. Die Ehrung sei “bedauerlich”, ließ Balog per Nachrichtenagentur wissen, ließe sich aber jetzt nicht mehr ändern. Zu den anderen Auszeichnungen gab er keinen Kommentar ab. Kritiker werfen der ungarischen Regierung vor, mit den Preisverleihungen Stimmen ganz rechts fischen zu wollen.


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