Günter Grass: „Israel gefährdet den brüchigen Weltfrieden“

  • [img='http://www.rocknord.net/forum/upload/avatars/utool_f_1333532476_10.gif','left']Der Schriftsteller Günter Grass sorgt mit einem israelkritischen Gedicht für heftige Reaktionen. Der Publizist Henryk M. Broder bezeichnet den Nobelpreisträger als „Prototyp des gebildeten Antisemiten“. Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat in einem in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Gedicht die israelische Politik gegenüber dem Iran heftig kritisiert und damit nicht minder harsche Reaktionen hervorgerufen. „Warum sage ich jetzt erst,/gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden?“, schreibt Grass in seinem „Was gesagt werden muss“ betitelten Werk. Außerdem kritisiert der 84-Jährige die geplante Lieferung eines weiteren U-Boots „aus meinem Land“ nach Israel.


    Mit der Lieferung von Waffen könnte die Bundesrepublik zu einem Zulieferer eines „voraussehbaren Verbrechens“ werden, schreibt Grass. Zudem fordert er in dem Text, „daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.“ Der Schriftsteller beteuert in dem Gedicht jedoch auch seine Verbundenheit mit Israel.


    Broder: „Grass hatte schon immer ein Problem mit Juden“
    In einer Replik in der „Welt“ reagierte der Publizist Henryk M. Broder entrüstet auf Grass´ Zeilen: „Grass hat schon immer zu Größenwahn geneigt, nun aber ist er vollkommen durchgeknallt. Ganztätig mit dem Verfassen brüchiger Verse beschäftigt, hat er keine der vielen Reden des iranischen Staatspräsidenten mitbekommen, in denen er von der Notwendigkeit spricht, das ´Krebsgeschwür´, das Palästina besetzt hält, aus der Region zu entfernen.“ Das Gedicht von Grass bezeichnete Broder als „das übliche verbale Vorspiel zu einem Tabubruch“. Grass, den Broder als „Prototyp des gebildeten Antisemiten“ bezeichnet, habe „schon immer ein Problem mit Juden“ gehabt, „aber so deutlich wie in diesem ´Gedicht´ hat er es noch nie artikuliert“.


    Auch anderen Medien kritisieren das Grass Gedicht. Die „Frankfurter Rundschau“ wirft dem Intelektuellen vor: „Kein Wort verschwendet der Dichter auf die Bedrohung Israels durch die iranischen Raketen. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der immerhin den Holocaust und damit die Vernichtung von sechs Millionen Juden leugnet, schrumpft bei Grass zu einem ´Maulhelden´.“ Zu eigenen Rolle des Autors schreibt das Blatt: „Grass trommelt noch immer. Doch es klingt seltsam hohl.“ Die linksliberale römische Tageszeitung „La Repubblica“ schreibt am Mittwoch: „Das Ergebnis seines Gedichts besteht allein darin, ein konfuses Rauschen zu erzeugen, eine unmögliche Gleichstellung von Israel mit dem Iran, eine unglaubwürdige Verdrängung jener Bedrohung, die das Regime in Teheran für Jerusalem darstellt.“


    Bereits im Jahr 2006 hatte Grass für einen Eklat gesorgt: In seiner Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ bekannte er zur allgemeinen Überraschung, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Der Autor musste zum Teil heftige Kritik einstecken. Ihm wurde vor allem vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit jahrzehntelang verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisierte. Mancher sprach ihm die moralische Integrität ab.


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    Ich bin mir darüber klar, daß der Einzelne anbetungswürdig sein kann, die Menschheit in Gänze jedoch ein Brechmittel ist. - Joachim Fernau

  • Ein alternder Mann sucht Aufmerksamkeit? Jeder der nicht mit Scheuklappen ausgestattet ist, kennt diese Problematik seit Jahrzehnten. Warum sind es immer die Alten, die damit anfangen, reale Tatsachen auszusprechen? Ein Broder muss das kritisieren, immerhin verdient er sich als israelischer Lobbyist. Doch wo bleiben die Fürsprecher? Grass hat Recht, wenn er Ahmadinedschad als Maulhelden bezeichnet. Ich sehe das aber positiv. Der Iran würde niemals Israel angreifen, doch wird uns genau diese Tatsache immer und immer wieder vorgekaut. Wo bleiben all die Menschenrechtler, die Länder wie Nordkorea, Kuba oder China für ihre Menschenrechtspolitik verurteilen? Kaum eine international anerkannte Menschenrechtsorganisation stellt sich vor das palästinensische Volk. Zu groß ist die Angst, für gelebte Courage vom Geldtopf abgeschnitten zu werden.

    Lasst euren Körper vergessen, was tierische Produkte sind - euren Verstand aber nicht.

  • Grass hat Recht bzgl. des Weltfriedens und der U-Boot-Lieferungen; die Medien haben Recht bzgl. Grass' Doppelmoral und die Nationale Opposition hat Recht bzgl. der Gleichschaltung der westlichen Presse. Und auch wenn Ahmadinedschad immer so deutschfreundlich tut, am liebsten würde er die Juden allesamt nach Europa deportieren.


    Fazit: Alle sind heuchlerische Arschlöcher und damit haben sie Recht. ;-)


  • http://www.sueddeutsche.de/kul…agt-werden-muss-1.1325809

    Ich bin mir darüber klar, daß der Einzelne anbetungswürdig sein kann, die Menschheit in Gänze jedoch ein Brechmittel ist. - Joachim Fernau

  • Zitat von "Blockwart"


    Was ist denn nun los? Sonderberichterstattungen auf allen Kanälen, ist das mal wieder krank, aber alles andere würde ja BRD-unwürdig sein.


    Jetzt geht der Medienfeldzug gegen Grass los, um Israelkritik bloß nicht "salonfähig" werden zu lassen, da Grass ja bisher noch irgendwo als "gesellschaftliche Respektperson" galt. Schon abartig, dass jemand überhaupt als Respektperson gelten kann, der die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes verhindern wollte.
    Die alliierten Bombenmörder haben nach dem Krieg die wichtigsten staatlichen Stellen systematisch mit Hochverrätern besetzt bis das Ganze zum Selbstläufer wurde.


    Lustig auch, wie die Medien und Politiker den Islam immer wieder als Bereicherung anpreisen, obwohl dort der Antijudaismus zum guten Ton gehört. ;-)

  • Das alte BRD Problem, die Wahrheit ist nicht gefragt.


    MkG Autsch

    Ich bin geboren um deutsch zu fühlen,
    bin ganz auf deutsches Denken eingestellt.
    Erst mein Volk, dann all die Andern.
    Erst meine Heimat, dann die Welt.

  • Die Kritik gegen Israel steht, wenn auch Grass es insofern gerichtet hat, dass er die Marschroute der Regierung meinte und nicht die des Volkes an sich.
    Egal ob jetzt die Medien jammern, der Mann ist eben kein kleiner Rechter, den man mal schnell in eine Ecke drücken kann.
    Die Regierung der BRD wird sich mit dem Vorwurf, einen Angriffskrieg in der einen oder anderen Weise zu unterstützen, nun tiefschürfender auseinandersetzen müssen.
    Die Tradition, Kriegshetzer unter zweifelhafter Siegermoral zum Tode zu verurteilen ist alt, die Richter hingegen immer wieder neu aufgelegt und dem Zeitgeist angepasst.


    Viel Spass, IHR HEUCHLER ! :mrgreen: