USA: Je mehr Schulden, umso eher Krieg!

  • [img='http://www.rocknord.net/forum/upload/avatars/utool_f_1310726890_2.jpg','left'] Die USA, wie es in einem Kommentar der Financial Times hieß, ähneln als Volkswirtschaft insgesamt mittlerweile einer Heuschrecke. Die USA sind flächendeckend deindustrialisiert worden, seit Beginn der 70er Jahre. Die haben bei den Beschäftigten einen Industrieanteil unter 10 Prozent. Ähnlich sieht es in Großbritannien aus, dort haben wir einen Industrieanteil von 12 bis 13 Prozent. Ganz anders in Deutschland, wo wir immer noch, trotz aller Deindustrialisierung in der Ex-DDR, einen Industrieanteil von 25 Prozent haben. Auch in Frankreich sind es noch 18 Prozent, dazu kommt die relativ große französische Landwirtschaft.


    Das heißt, im alten Europa wird immer noch produziert. Im Unterschied dazu sind die USA und Großbritannien im Grunde Spekulationsländer. Das ist der Widerspruch, den ich heute in der heutigen Welt sehe, und deswegen hab ich vorhin das Leninzitat mit den „zwei, drei weltbeherrschenden, bis an die Zähne bewaffneten Räubern“ vorgelesen: Wir bekommen eine Konfrontation zwischen den produzierenden Staaten auf der einen Seite, zu denen die großen kontinentaleuropäischen gehören, vor allem aber die BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien, China; und auf der anderen Seite den spekulierenden Staaten unter der Führung der USA und Großbritanniens.


    Die Spekulationsstaaten müssen Krieg führen, das erfordert ihre Ökonomie. Der Finanzsektor in USA hat Anfang der 80er Jahre drei bis vier Prozent der Gewinnsumme der Gesamtökonomie erwirtschaftet, bis zum Jahr 2007 stieg der Anteil auf 41 Prozent. Finanzsektor heißt: Da wird nichts hergestellt, da wird nur spekuliert. Aber da werden natürliche märchenhafte Gewinne erzielt, 41 Prozent der Gewinne der gesamten US-Wirtschaft.


    [imgr]http://www.rocknord.net/forum/…/utool_f_1310726913_2.jpg[/imgr] Hier sehen wir den Zusammenhang zum Krieg. Der Finanzsektor, der 41 Prozent aller Gewinne erwirtschaftet, ist mit ungefähr dem selben Anteil an der Steuerzahlung beteiligt. Ein großer Teil der Haushaltsmittel des US-Staates kommt also aus dem Finanzsektor. Und was macht der US-Staat mit diesen Haushaltsmitteln? Unter anderem führt er damit Kriege, wie etwa den 3-Billionen-Dollar-Krieg im Irak. Das heißt: Die Finanzindustrie nährt den Krieg, und zwar über ihre Steuerzahlungen.


    Aber es gibt noch einen weiteren Zusammenhang: Der US-Staat finanziert bekanntlich seine Kriege nicht nur über seine Steuereinnahmen, das würde gar nicht ausreichen, sondern er muss sich dafür auch in steigendem Maße verschulden. Zu diesem Zweck nimmt er Geld über Staatsanleihen auf, die er auf den internationalen Kapitalmärkten platziert. Diese Staatsanleihen, diese amerikanischen Schuldscheine, werden gekauft von China, Platz 1, von Japan, Platz 2, aber an der dritten Stelle der Käufer stehen schon die Hedgefonds, die in Großbritannien sitzen und in den genannten Steuerparadiesen.6 Auch darüber wird also die Kriegsmaschine durch die Finanzaristokratie geschmiert.


    Umgekehrt braucht es den Krieg aber auch, um die globale Windmaschine, das globale Casino am Laufen zu halten. Sie müssen überlegen: Seit dem 11. September 2001 bis zum Jahr 2005 sind mehr zusätzliche Dollars in den Umlauf gebracht worden wie in der gesamten 200jährigen US-Geschichte zuvor. Da wurde eine riesige Blase aus Papiergeld aufgepumpt, die nicht durch reale Werte gedeckt ist. Wie bringt man den Rest der Welt dazu, eigentlich wertlose Dollarschnipsel, auf denen nur „In God we trust“ steht, als Währung zu akzeptieren? Obwohl keine Golddeckung mehr da ist? Die heutige Deckung der US-Währung besteht in militärischer Macht. Das heißt die gewaltige Überlegenheit der US-Amerikaner auf militärischem Gebiet (sie geben mehr für die Rüstung aus als 18 Industriestaaten zusammen) ermöglicht es den US-Amerikanern, jederzeit und an jedem Ort der Welt mit vorgehaltener Maschinenpistole den Umtausch ihrer wertlosen Dollar-Papierschnitzel in Waren und Werte zu erzwingen.


    Zusammengefasst: Die Kriegsmaschine wird durch fiktives Kapital finanziert – und umgekehrt müssen Kriege geführt werden, um den eigentlich illusorischen Wert des fiktiven Kapitals zu garantieren. Das ist ein Kreislauf der sich immer schneller dreht und der die Welt immer tiefer in den Abgrund reißt.


    Auszug aus: Jürgen Elsässer, Gegen Finanzdiktatur! Grundsätze und Ziele der Volksinitiative (COMPACT-Buch, Sommer 2009, 120 Seiten, 7.50 Euro).

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon