Michael Winkler: Kulturhoheit.

  • [img='http://www.rocknord.net/forum/upload/avatars/utool_f_1280861611_2.jpg','left'] In dieser wunderbaren Bundesrepublik gibt es einen noch viel wunderbareren Begriff, der zahlreichen Landespolitikern zu Presseauftritten verhilft: die Kulturhoheit. Gedacht war das einmal, um die landestypischen Eigenheiten zu fördern. Schüler in Bremen sollten nicht mit Almwirtschaft belästigt werden, die in Görlitz nicht mit Kohlebergbau, jene in Freiburg nicht mit Hochseefischerei. "Der Schimmelreiter" oder "Buddenbrooks" als Schullektüre taugte eher in Gebieten der Hansestädte, Ludwig Thoma eher in Oberbayern. Es gibt immer einen Komponisten der aus der Nähe kommt, einen örtlichen Feldherren oder Fürsten. Und in einigen ist man viel katholischer als in anderen. Es gäbe also genug heimatbezogener Kultur, um sich darin gründlich auszutoben. Goethe und Schiller, sowie meinetwegen auch Karl May, gehören ganz Deutschland, Mathematik und Naturwissenschaften gelten weltweit, da sollten sich Kirchturmpolitiker bitteschön heraushalten.


    Genau das haben die Schmalspurpolitiker jedoch nicht geschafft. Es ist zwar keinem Kultusminister gelungen, den Dreisatz umzuformulieren, dafür wurde die Idiotie der Mengenlehre in der ersten Klasse eingeführt. Die einzige Schwierigkeit bei der Mengenlehre besteht darin, den Kindern das Vokabular aufzuzwingen, denn jeder Dreijährige erkennt sofort, daß eine Banane nicht zu der Menge der Äpfel gehört. Sogar die Aufteilung in die Teilmenge der roten und die Teilmenge der grünen Äpfel gelingt diesen Wunderkindern ganz problemlos.


    Das Schöne am Posten eines Kultusministers besteht darin, daß man keinerlei Ahnung von Trigonometrie haben muß, um zu entscheiden, ob das Stoff der achten oder der zehnten Klasse sein soll. Wenn Bayern selbst heute noch in den PISA-Tests vorne liegt, ist das ein Erfolg des konservativen Prinzips, das bis in die frühe Stoiber-Zeit gegolten hatte: Möglichst wenig an den Schulen herumzudoktern.


    Es gehörte zum guten Ton der SPD, vom "Aufstieg durch Bildung" zu reden. Dieses Thema haben die Grünen bereitwillig aufgegriffen. Ausgangsidee war, daß alle Menschen gleich seien und deshalb auch Arbeiterkinder studieren müßten. Gegen den zweiten Teil dieser Aussage, daß auch Arbeiterkinder studieren sollen, ist nichts einzuwenden - wenn sie die Begabung dazu haben! Der erste Teil ist Blödsinn. Millionen Kinder spielen Fußball, viele sogar talentiert. Profis werden jedoch nur wenige, was nicht daran liegt, daß der VFL Mittelmietraching so wenig Geld hat. Wer auffällt, wird von größeren Vereinen abgeworben und gelangt schließlich zum schwerreichen FC Bayern München.


    Anstatt die simplen Mendelschen Gesetze der Vererbung zu akzeptieren, wonach intelligente Eltern mit höherer Wahrscheinlichkeit intelligente Kinder bekommen, wird das Geld der Eltern als maßgeblich herausgestellt. Akademiker verdienen besser, sie können sich Nachhilfelehrer für ihre Kinder leisten. Arbeiterkinder wachsen ohne Bücher auf, Arbeiterkinder können sich keinen Sportverein leisten... Es gibt so viele schöne Vorurteile.


    Mein Vater war von Beruf Kellner, also bestimmt kein typischer Akademiker. Bei mir zu Hause gab es keinen "Brockhaus", dafür "Knaurs Jugendlexikon". Aber ich hatte Unmengen Bücher: die ganze Stadtbücherei Würzburg (Kinderabteilung). Nachhilfe habe ich nie gebraucht, meine Bildung war nicht die Angelegenheit meiner Eltern, sondern meine eigene. Das bayerische Schulsystem war für mich keine harte Auslese, sondern eine ganz natürliche und logische Schulumgebung.


    [imgr]http://www.rocknord.net/forum/…/utool_f_1280861643_2.jpg[/imgr] Übrigens, die DDR war in dieser Beziehung weiter, deren Arbeiterführer haben Pfarrer Gregor Mendel begriffen. Dort wurden Ehen zwischen Studenten gefördert, und gerade deren Nachwuchs überaus erwünscht. Die Diktatur des Proletariats sorgte für intelligenten Nachwuchs durch natürliche Zuchtwahl.


    Die BRD handelte im Gegensatz dazu mittelalterlich. Wenn der Bauer die Bibel nicht versteht, malt man ihm eben ein paar nette Bilder und beschwört Hölle und Verdammnis auf ihn herab. Wenn ein Bildungsabschluß gewünscht wird, den nach der Gauß-Verteilung gerade 10% der Schüler schaffen würden, verringert man die Ansprüche, bis über 40% diesen Abschluß erreichen.


    In der Demokratie werden Stimmen gezählt, nicht gewogen, deshalb herrscht in deren Köpfen eine "Tonnen-Mentalität". 15% Abiturienten sind eben schlechter als 40% Abiturienten, diese Zahlen lassen sich leicht ablesen und als Erfolg ausweisen. 10% Akademiker sind zu wenig, wir brauchen mindestens 30% Akademiker - das ist eine klare Ansage, das ist ein greifbares Ziel.


    Akademiker haben allerdings den Nachteil, daß sie nur von Politikern gezählt, von der Wirtschaft hingegen gewogen werden. "So, Sie sind Diplom-Soziologin... Haben Sie auch etwas gelernt?" Obwohl, die Frage wird selten gestellt. Die Diplom-Soziologin wird erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen, der Diplom-Ingenieur schon.


    Jenseits der Tonnen-Ideologie kennen sich Politiker nicht aus. Dafür können sie organisieren. Ach nein, das ist eine sprachliche Falle. Können im Sinne von dürfen, nicht im Sinne von verständig handeln. Das kennen alle Entwickler: Was unter der Motorhaube steckt, die Maschine, die grundlegenden Algorithmen eines Programms, interessiert keinen. Dafür glaubt jeder, sich in die Bedienoberfläche ("Das Feld bitte blau statt grün") und in den Ausdruck ("Den Barcode zwei Zeilen tiefer setzen und auf allen Seiten in halber Größe wiederholen") einbringen zu müssen.


    Ministerinnen und Minister, die von der Schule und deren Lerninhalten nichts verstehen, diskutieren um so eifriger darüber, wie lange die Grundschule dauern soll, ob eine Hauptschule nahtlos in eine Realschule übergehen kann, wie die Kursniveaus in einer Gesamtschule aussehen sollen ("leicht, mittel, schwer" oder doch besser "einfach, gehoben, anspruchsvoll"). Neue Studienfächer ("angewandte Arabistik", "slawische Märchenkunde") zählen doppelt, künden sie doch von energischer Führung.


    Dabei gibt es einen sehr wichtigen Grundsatz: Was der Vorgänger gemacht hat, ist Mist. Sollte der Vorgänger einer anderen Partei angehören, ist es sogar unerträglicher Mist. Wahlperioden dauerten früher meistens vier Jahre, heute sind es immer öfter fünf. Während der zwölf bzw. dreizehn Schuljahre mußte ein Schüler mindestens drei Kultusminister erleiden. Eine stabile, konservative Regierung wie in Bayern war dabei ein großer Vorteil, stabile, aber reformwütige SPD-Regierungen leider nicht. Hessen hatte schon in seiner Zeit als Volksrepublik den Ruf, daß jeder, der in Bayern scheitert, dort sein Abitur mit guten Noten ablegen könne. Nachdem den dortigen Wählern ein "Joschka" Fischer zugemutet worden war, wurde das Land zum Wanderpokal zwischen SPD und CDU, gerade gehört es noch dem Viel-Versprecher Roland Koch. In der Bildungspolitik hat sich zwar viel getan, doch wenig Gutes.


    Der zweite Grundsatz von Kultusministerinnen und -ministern lautet: Was alt, deutsch und bewährt ist, muß schleunigst abgeschafft werden. Im Land des Heils und der Erlösung, dessen Wohlwollen ein deutscher Politiker dringend benötigt, ist der Bachelor ein Titel, mit dem ein College bescheinigt, daß der Absolvent die Lücke zwischen US-Highschool und früherem deutschen Abitur erfolgreich geschlossen hat. Danach kann er mit dem Master das erwerben, was an ein deutsches Diplom heranreicht. Der deutsche Pätscheler ist der absurde Versuch, aus einem Vordiplom (also einen Grundstudium) einen Abschluß zu basteln.


    [img='http://www.rocknord.net/forum/upload/avatars/utool_f_1280861663_2.jpg','left'] In der Realität wurde daraus ein Paukstudium, in dem auf der einen Seite das nachgeholt wurde, was das verwässerte Abitur nicht mehr leistete, und auf der anderen Seite ein paar fachbezogene Grundlagen vermittelt wurden. Die eingängigste Umschreibung für einen Pätscheler dürfte "erweitertes Fachabitur" sein, also eine Art fachgebundener Hochschulreife. Dummerweise ist der Pätscheler jetzt zwei Jahre älter als seine Mitschüler, die ein gewöhnliches Fachabitur vorzuweisen haben. Wen würden Sie einstellen? Den Jüngeren, den Sie noch für Ihren Bedarf zu einem Lehrlingsgehalt ausbilden können, oder den Älteren, der ein wenig für Sie unbrauchbare Professorenweisheit eingesogen hat und vielleicht kein Akademikergehalt, aber immerhin Gesellenlohn fordert, obwohl auch er nur ein Lehrling ist?


    Das reicht natürlich noch nicht, denn wenn der Pätscheler bundeseinheitlich wäre, könnte er sich als Abschluß etablieren. Doch das würde die Kreativität und die Kulturhoheit der Landesminister zu sehr einschränken. Mit ein wenig Glück ist der Pätscheler wenigstens in einem Bundesland einheitlich und vergleichbar, oft genug ist das, was als "internationaler Abschluß" eingeführt wurde, nicht einmal zwischen zwei Hochschulen in derselben Stadt derselbe Abschluß mit den gleichen Inhalten.


    Und warum? Natürlich wäre es leicht, das als böse Absicht hinzustellen. Das deutsche Bildungswesen soll gezielt ruiniert werden, im Auftrag höherer Mächte. Aber, liebe Freunde der Verschwörungstheorien, wer soll denn Israel finanzieren, wenn "die Juden" (oder andere "dunkle Mächte") das Bildungssystem in der Melkkuh Deutschland gezielt an die Wand fahren? Es gibt einen einfachen Lehrsatz, wonach man nicht mehr nach weiteren Erklärungen zu suchen braucht, wenn Dummheit als Begründung ausreicht.


    Der Posten des Kultusministers ist in Landesregierungen nur in seltenen Ausnahmefällen ein Karrieresprungbrett, sondern eher das Ende einer Karriere. Gelegentlich setzt man auf diesen Posten auch junge Leute, die sich bewähren dürfen, wie Stoiber das mit der FJS-Tochter Hohlmeier getan hat. Kultusminister ist nicht so schwer, es genügt, immer wieder mehr Lehrer zu fordern, in der sicheren Gewißheit, daß der Finanzminister das ohnehin ablehnen wird. Wenn es etwas mehr sein soll, fordert man Ganztagsschulen, Gesamtschulen, Realschulen, Sonderschulen, mehr Deutschkurse für Zuwanderer, Türkischunterricht für Einheimische oder vergleichbaren Unsinn, der sich leider nicht finanzieren läßt. Aber man kommt in die Schlagzeilen und irgendein weltfremder Linksprofessor wird sich finden, der die jeweilige Reform als Stein der Weisen lobpreist, weil er vor zwanzig Jahren einmal eine Veröffentlichung in der Zeitung der KPD/ML darüber verfaßt hat.


    Die Kulturhoheit und die Bildungshoheit wurden eingeführt, um die Landeskinder optimal zu fördern, um ihnen Vorteile fürs Leben zu verschaffen und ihnen Wurzeln zu geben, Wurzeln in der Heimat. In ihrer politisch bedingten Borniertheit haben die Damen und Herren Minister einen uralten Grundsatz vergessen: Non scolae, sed vitae discimus. Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben. Oder, um es zeitgemäßer zu formulieren: Die Schule soll nicht die Seifenblasenträume von Bildungsideologen erfüllen, sondern die Schüler auf das Leben vorbereiten.


    Ein Klaus von Klitzing hat für die Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts den Nobelpreis bekommen. Der Betreuer meiner Diplomarbeit hat mir geraten, bei Meßfehlern mal gegen den Kryostaten zu treten, das würde diese häufig beseitigen. Führe ich beides zusammen, leite ich daraus ab, daß Herr von Klitzing nicht der Erste war, der diesen Effekt gesehen hat. Die anderen haben eben gegen den Kryostaten getreten, von Klitzing wollte als Erster wissen, ob er da einen Meßfehler oder wirkliche Physik vor sich hat.


    Kryostaten-Treter gibt es genügend, die bilden die Universitäten auf jedem Bildungsniveau aus. Bei den Olympischen Spielen siegt nicht jene Nation, welche die meisten 100-Meter-Läufer an den Start schickt, sondern jene, die den EINEN, den schnellsten besitzt. Tonnen-Ideologie hilft in der Bildung nicht, ganz im Gegenteil, Massenbildung ist nur möglich, wenn wir wenig gebildete Massen hervorbringen wollen.


    Das deutsche Bildungssystem hat früher das hervorgebracht, was weltweit vorbildlich gewesen war: eine breit angelegte Bildung für alle, eine umfassende Bildung für Qualifizierte. Das dreigliedrige Bildungssystem hat sich nicht mit der Hauptschule als "Restschule" begnügt, die Restschule ist eine Konstruktion unfähiger Bildungspolitiker.


    Das deutsche Bildungssystem fußte zum einen auf Preußen, aber nicht auf dem siegreichen Preußen von Friedrich dem Großen, sondern auf der katastrophalen Niederlage gegen Napoleon, durch die Preußen die Hälfte seines Gebiets verloren hatte. Erst in dieser Katastrophe fand der Staat die Kraft zu Reformen, da entstand die Humboldtsche Universität. Der Weg zum Fortschritt war frei, ein Weg, der uns 200 Jahre getragen hat, mit so genialen Reformen, daß selbst die Landespolitiker sie noch nicht vollständig verwässert haben.


    Die andere Wurzel ragt hinein ins Mittelalter, eine tiefe, robuste Wurzel in einer Welt, die zum größten Teil das Mittelalter hinter sich gelassen hat. Mittelalter ist negativ besetzt, doch in diesem Fall ist das Mittelalter der Neuzeit überlegen. Wir hatten im Mittelalter einen Bevölkerungsüberschuß, bis die Pest zu einem Arbeitskräftemangel geführt hat. Jeder Hilfsarbeiter war plötzlich begehrt, mit dem Effekt, daß jeder der wertvollen Arbeiter so gut wie möglich ausgebildet wurde. Sieben Jahre Lehrzeit, dann Wanderjahre, um sich als Geselle weiterzubilden - das ist das Mittelalter nach der Pest, das sind die hochqualifizierten Facharbeiter in den Handwerkerzünften. Nach dem 30jährigen Krieg herrschte wieder Bevölkerungsmangel, deshalb dauerte das Mittelalter an.


    [imgr]http://www.rocknord.net/forum/…/utool_f_1280861683_2.jpg[/imgr] In England gab es Bevölkerungsüberschuß für die Kolonien, in Frankreich Bevölkerungsüberschuß für Kriege. Im England der industriellen Revolution waren nicht die versierten Facharbeiter gefragt, sondern die angelernten Maschinenbediener, heute geheuert, morgen gefeuert. In den Kolonien, vor allem in den USA, wurde dieses System übernommen. Wer backen wollte, durfte sich Bäcker nennen und eine Bäckerei eröffnen. In Deutschland bedurfte es eines Meisterbriefes.


    Der Meister... Der Begriff steht für Spitzenleistungen, ein Deutscher Meister hat den ganzen Wettbewerb geschlagen, sich als der Beste erwiesen. Der ausgebildete Handwerksmeister hat sein Meisterstück geliefert, er hat gezeigt, daß er sein Metier beherrscht. Es sollte uns zu denken geben, wenn in angloamerikanischen Ländern der akademische Abschluß ausgerechnet Master genannt wird. Unsere Masters, unsere Meister, haben eine praxisnahe und umfangreiche Ausbildung hinter sich, die jener eines Akademikers durchaus nahekommt, sie in der Praxisbezogenheit sogar deutlich übertrifft.


    Die Hauptschule, die frühere Volksschule, ist eben keine Sackgasse, zumindest war sie es nicht, bis die Damen und Herren Kultusminister sie dazu erklärt haben. Volksschule - Lehre - Geselle - Meister. Eine lange, umfassende Ausbildung, die nur das Manko hat, daß nirgendwo eine "Universität" im Spiel ist. Andere Länder, die keine Meisterausbildung mehr kennen, müssen das mit Akademikern ausgleichen.


    Realschule - Ausbildung - Polytechnikum - graduierter Ingenieur. Der mittlere Bildungsweg hat die Praktiker hervorgebracht, die weltberühmten deutschen Ingenieure. Das Bildungssystem besaß die Durchlässigkeit, die heutige Bildungspolitiker immer eingefordert haben. Volksschule - Lehre - Geselle - Lehrerbildungsanstalt - Volksschullehrer. Das waren die Praktiker, die das Leben kannten, die früher unsere Schüler ausgebildet haben. Heute sieht das so aus: Abitur - Pädagogische Hochschule - Lehrer. Von der Schule in die Schule, nie dem wirklichen Leben ausgesetzt.


    Non scolae, sed vitae discimus... Die Bildung gehört grundlegend reformiert, mit mehr Rechten für die Lehrer und mehr Pflichten für die Schüler. Lehrer und vor allem Lehrerinnen müssen begreifen, daß sie Kinder erziehen und unterrichten sollen, und keine bloßen Erfüllungsgehilfen linksgrüner Bildungsschwadroneure sind. Wenn wir dafür 50 Jahre unsinniger Reformen über Bord werfen müssen, sollten wir das tun. Wenn wir auf das Mittelalter zurückgreifen müssen, sollten wir das tun. Meine Volksschullehrer waren keine Akademiker der Pädagogischen Hochschule, aber sie hatten keine Probleme, Klassen mit 40 Schülern zu unterrichten.


    Die Kulturhoheit der Länder ist wichtig, insofern sie sich auf die Kultur beschränkt. Sie ist schädlich, wenn es darum geht, Kulturtechniken zu vermitteln, die überall und vor allem im Leben gebraucht werden. Lesen, schreiben, rechnen - es geht nicht ohne, die Fähigkeit zum Diskutieren entsteht von selbst. Kulturhoheit ist dazu da, um die Vielfalt zu erhalten, die sich gegenseitig ergänzt. Sie ist nicht dazu gedacht, aus politischen Gründen die Einfalt zu fördern.


    Ich bin ehrlich genug um zuzugeben, daß dieser Umschwung zum Besseren mit den heutigen Politikern nicht zu machen ist. Was im Sumpf der Parteien-Oligarchie nach oben gespült wurde, ist eines Umdenkens nicht fähig. Selbst die Träume, nach der Lehre von Mao Tse-Tung einen aufzuhängen, um hundert zu erziehen, helfen nicht weiter. Unser Bildungssystem war das Ergebnis von Katastrophen, der Pest-Epidemie des Mittelalters und der vernichtenden Niederlage Preußens gegen Napoleon.


    Unsere heutigen Bildungspolitiker sind zwar eine Katastrophe, aber eben nicht jene Katastrophe, die zu einem Wiederaufstieg Deutschlands führen wird. Diese Katastrophe steht uns noch bevor, wir steuern darauf zu, mit voller Fahrt. Erst in der Phase 9, jener Phase, die nicht mehr in meinem Phasenzähler aufgeführt wird, weil sie nach dem FINIS kommt, wird das Bildungssystem wieder auf die Füße gestellt werden. Es wird, denn was wir bereits zweimal geschafft haben, schaffen wir auch ein drittes, viertes oder fünftes Mal.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

  • Zitat

    In der Realität wurde daraus ein Paukstudium, in dem auf der einen Seite das nachgeholt wurde, was das verwässerte Abitur nicht mehr leistete, und auf der anderen Seite ein paar fachbezogene Grundlagen vermittelt wurden. Die eingängigste Umschreibung für einen Pätscheler dürfte "erweitertes Fachabitur" sein, also eine Art fachgebundener Hochschulreife. Dummerweise ist der Pätscheler jetzt zwei Jahre älter als seine Mitschüler, die ein gewöhnliches Fachabitur vorzuweisen haben.


    In welcher Welt lebt der gute Herr Winkler eigentlich manchmal? Es wäre mir ein Neues, dass der von mir angestrebte Bachelorabschluss von seiner Qualität her nicht mindestens ebenbürdig mit der des vorangegangen Diplom-Ingenieur(FH) ist.
    Professoren, Dozenten, Material und Organisation lassen sich nicht von heute auf morgen auf ein vielfach niedrigeres Niveau harabstufen. Sonst könnte man Lehrkörper und keine Studenten beim streiken beobachten. Ach ja, warum streiken selbige denn überhaupt? Weil es ihnen zu einfach ist?
    Ich kann aus eigener Erfahrung und Beobachtung bestätigen, der Weg an eine Hochschule ist nicht sonderlich schwer. Das schaffen auch mehr oder weniger Minderbemittelte. Diese dann allerdings mit dem angestrebtem Abschluss zu verlassen, daran scheitern je nach Studiengang zwischen kaum welche (Soziale Arbeit) und teils über 70 Prozent (E-Technik und Physikalische Technik). Von Abschlussschenkungen kann in keinster Weise die Rede sein.


    btw.: Mit Begriffsverkasperung a' la Pätschelor stellt man sich selbst auch eher ins Abseits und wirkt ziemlich lächerlich, Herr Winkler.

    Man sieht euch überall nur fressen und saufen, Ihr alten Säue!

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  • Nja PRINZIPIELL hat er mit dem Text recht aber der Bachelor ist so ne Sache .. bei mir als Wirtschaftsing. fachrichtung Maschinenbau kann ich auch nur sagen dass der Stoff min. der selbe ist wie bei den Diplomanten (schreiben die selben Klausuren wie wir "bloß" halt 2-3 Fächer (z.B KostenLeistungsrechnung,BWL1 + BWL 2) hintereinander haben dafür aber meist in den Klausuren auch 1-2 Aufgaben weniger zu Bearbeiten in der selben Zeit und insgesammt wesentlich weniger schriftliche Klausuren (was mir mehr liegen würde als dieses Stupide Skript/Definitionen auswendig lernen um "schaubilder" in der Klausur auswendig zu lernen... ICH HASSE DAS aber im Gegensatz zu den anderen versteh ich was ich lerne und könnts ohne probleme anwenden ..)