Michael Winkler: Schüler und Meister.

  • [img='http://www.rocknord.net/forum/upload/avatars/utool_f_1278444614_2.jpg','left'] Früher war alles besser, insbesondere zu biblischen Zeiten. Da zog der Meister mit seinen Jüngern bzw. Schülern durch das Land, und wenn er Lust hatte zu lehren, suchte er sich einen schönen schattigen Baum. Das Vorrecht, sich daran zu lehnen, stand dem Meister zu, die Schüler fläzten sich so bequem wie möglich um ihn herum und dann begann er zu erzählen. Die Schüler hörten geduldig zu, ließen den Meister ausreden, versuchten seine Worte zu verstehen und stellten ganz selten kluge Fragen, um den Sinn des Gelehrten zu ergründen.


    Vielleicht sollte ich den Trick mit dem Baum auch einmal probieren, denn wenn ich einmal zu einem "netten Nachmittag/Abend" eingeladen werde, sieht das ganz anders aus. Statt meiner Weisheit zu lauschen, wegen der ich eingeladen wurde, stellen die Gastgeber ununterbrochen Fragen. Aus einem "netten" Treffen wird so eine Examenssituation, es wird nachgebohrt, bis schließlich meine Stimme einen verzweifelten Unterton bekommt. Ich habe die Antworten doch längst gegeben, die Antworten auf die meisten Fragen stehen in meinen Texten, für einen Cent nachzudenken hätte mehr gebracht, als für 100 Euro nachzufragen.


    Ich spreche nicht von Vorträgen, da erhält der Zuhörer nur das flüchtige Wort, statt der bleibenden Schrift. Womöglich habe ich nicht gut genug erklärt, und da der Vortrag unerbittlich weiterschreitet, ginge der Gedanke ohne Nachfrage verloren. Steht er jedoch lesbar fixiert, vermag jeder Empfänger, ihn noch einmal zu lesen, ihn in Ruhe zu überdenken, um dann gelassen fortzuschreiten.


    Ich gebe zu, solches Verhalten irritiert mich. Ich komme, um Weisheit zu lehren, doch alles, was die "Schüler" begehren, ist ein wenig Wissen. Ich komme, um die Menschen einzuladen, neben mir zu gehen und den Pfad zu bahnen, und diese Menschen begnügen sich damit, in meinen Fußspuren zu lesen.


    Warum das alles? Ich habe versucht, es mir zu erklären. Und ja, es liegt an der Zeit.


    Angeblich leben wir ja in einer Zeit, in der keiner mehr welche hat. Die Schulen lehren uns, daß derjenige, der einen Gedanken verstanden hat, ihn auch kritisieren kann. Das Anzweifeln des Gedankens wird als Zeichen des Begreifens aufgefaßt, dabei ist gerade das Gegenteil der Fall. Wir tauschen oberflächliche Signale, Passierscheine, die uns ein Fortkommen ermöglichen, ohne wirklich angekommen zu sein. Wer in einer Physik-Prüfung an der richtigen Stelle von "Auger-Elektronen" spricht, dem wird unterstellt, daß er den "Auger-Effekt" erklären kann und beherrscht. Er bekommt eine gute Note. Der andere Prüfling, der den Passierschein des Schlagwortes nicht vorzeigt, muß die Physik dieses Effekts ausführlich erklären - und wird schlechter benotet, obwohl er womöglich viel mehr darüber weiß als der Schlagwort-Nenner.


    Diese Schlagwörter helfen einem bei der Selbstdarstellung, aber nicht dann, wenn das Wissen dahinter gebraucht wird. Der Blender, der Auswendiglerner, brilliert in der Prüfung und versagt in der Anwendung. Der kritische Geist, der in jeder Darstellung die Schwächen findet und gnadenlos aufdeckt, kann oft nicht mehr, als eben kritisieren. Es bedarf versierter Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, um in jahrelanger Arbeit eine Kathedrale zu bauen, aber nur eines einzigen zündelnden Idioten, um sie niederzubrennen.


    Schauen wir in die Politik, dann finden wir dort die Herostraten, die ohne eigene Leistung alles kritisieren, was Andere getan haben. Wir sehen an der aktuellen Regierungskoalition was passiert, wenn die Herostraten an die Macht kommen. Die FDP hat elf Jahre lang kritisiert, die politischen Gegner schlechtgeredet. Unserer Urerfahrung entspricht, daß derjenige, der kritisiert, es besser weiß. Der Lehrer kritisiert unsere Grammatik und unsere Rechtschreibung, die Mutter die Ordnung in unserem Zimmer, der Geselle die Arbeit des Lehrlings - in den ersten zwanzig, dreißig Jahren unseres Lebens sind es die Könner, die uns Anfänger zurechtweisen. Die Politiker setzen auf diese Urerfahrung, wenn sie kritisieren. Wie wir an der FDP feststellen müssen, können sie nur eines: kritisieren. Das ist natürlich kein Monopol der FDP, eine Claudia Roth war selbst in einer rot-grünen Regierung nicht ministrabel, dafür kritisiert und schimpft sie um so intensiver.


    Wer ist Meister? - Der was ersann!
    Wer ist Geselle? - Der was kann!
    Wer ist Lehrling? - Jedermann!


    Ich habe diesen Vers in einem Buch aus dem Jahr 1937 gefunden, und meine Zeit gebraucht, um ihn zu verstehen. Der Meister hat etwas erdacht, er ist der Kreative in dieser kleinen Weltbeschreibung. Der Kritiker hat nichts ersonnen, er kann nichts, er ist bloß der Lehrling. Der Geselle ist den Gedanken des Meisters gefolgt, er hat begriffen, was der Meister lehrt, und er ist im Stande, es umzusetzen. Er ist der Könner, der Macher, der Handelnde. Der Kritiker kann nur schlecht reden, was der Geselle erarbeitet, er kann sich nicht hinstellen, um das zu verbessern, was der Könner in die Welt geformt hat. Der Lehrling, der Lernen-Wollende, nimmt die Gedanken des Meisters in sich auf und eifert dem Gesellen nach, um schließlich selbst zum Könner zu werden. Der Kritiker ist nicht mal das, denn er will nicht lernen, er will nicht können, er will nur reden und schimpfen.


    Oh, sicher, Kritik ist nichts Schlechtes, wenn sie aus dem Verständnis heraus geübt wird. Die Kritik eines Meisters hilft dem Meister, weiter zu sehen und weiter zu denken. Der kritisierende Meister schreitet neben dem schöpfenden Meister, arbeitet gemeinsam mit ihm am selben großen Werk. Doch wie viele kritisierende Meister gibt es? Die meiste Kritik wird von jenen Nicht-Lehrlingen geübt, die sich so dagegen wehren, etwas zu lernen und vielleicht sogar zu können.


    Um es so auszudrücken: Der Schmiede-Meister hat es nicht nötig, sich von einem Koch-Lehrling kritisieren zu lassen! Wir Zuschauer, die vergleichbar wenig von der Schmiedekunst verstehen, mögen dem rhetorisch brillanten Koch-Lehrling applaudieren, doch letztlich gestehen wir damit nur unsere eigene Unwissenheit ein. Ich kenne den rhetorischen Kniff, dem zu widersprechen, was ich selbst nicht verstanden habe, und es einem Redner oder Schreiber vorzuhalten. Ich kann davon ausgehen, daß die Mehrzahl der Zuhörer das ebenfalls nicht verstanden hat, ich somit die Zustimmung der unwissenden Mehrheit hinter mich versammle. Es funktioniert, aber... Es ist bösartig, es ist Politik, es zerstört.


    Weil sich ein solcher Kritiker den wichtigsten Schritt erspart, das Kritisierte zu verstehen, begibt er sich in eine Falle. Jede Frage, die sein Verständnis des Gesagten prüft, entlarvt ihn als Hohlkopf, gibt ihn der Lächerlichkeit preis, nimmt ihm den Schutz der Mehrheit. Deshalb wird dieser Kritiker solchen Fragen mit weiterer Kritik ausweichen - und die Diskussion sinnlos. Sobald ich merke, daß ich in einen solchen zweckfreien Argumentationskreis gelockt werden soll, breche ich die Diskussion ab. Warum Zeit und Nerven verschwenden? Oder, wie mir mein Vater geraten hatte: "Laß sie dumm sterben."


    Ja, ich weiß, in einer Zeit, in der es als Tugend gilt, sich "der Diskussion zu stellen", ist das eine absonderliche, gar eine "feige" Einstellung. In dieser Zeit werden die Dinge nicht mehr getan, sondern zerredet. Ein Doktor in Diskussionswissenschaften mag den Ausweis des Inhabers zieren, der Inhaber ziert jedoch nicht die Gesellschaft. Eine Philosophie der Erkenntnis-Zerredung ist destruktiv. Ein Doktor der Naturwissenschaften, sofern nicht von der FDJ verliehen, hat wenigstens ein kleines Forschungsergebnis produziert, einen winzigen Fortschritt produziert. Aus einem Physiker kann immer ein großer Philosoph werden, aus einem studierten Philosophen jedoch niemals ein Physiker.


    Die Zeit der großen Philosophen ist vorbei, was im 20. Jahrhundert als Philosophen hochgejubelt wurde, waren Erfüllungsgehilfen einer destruktiven Politik. Es wurden keine geistigen Werte geschaffen, sondern vorhandene Werte zerredet. Es wurde nicht mehr gedacht, sondern erzogen und umerzogen. Die Philosophen der Neuzeit waren keine Meister, sondern Gesellen, die umsetzten, was im Rahmen der psychologischen Kriegsführung fremder Mächte gegen Deutschland erdacht worden war. Das destruktive Denken wurde zum Programm erhoben, zum Kampfmittel gegen das, was vormals aufbauend und inspirierend gewesen war.


    "Information at your fingertips" - das war ein erfolgreicher Werbeslogan. Ich gebe zu, ich brauche diese Information an meinen Fingerspitzen, weil ich sonst schon mal von "Kurt Rehagel" oder "Wolfgang Möllemann" spreche. Ein paar Klicks, und ich habe die Namen nachgeschlagen. Es gibt immer Details, die ich mir nicht gemerkt habe. Es sind unwichtige Details, bestenfalls Futter für Beckmesser, die sich daran aufhängen, um dem Sinn des Gesagten zu entgehen. Die Informationen an meinen Fingerspitzen sind nicht sonderlich wichtig, weitaus weniger als die Informationen in meinem Kopf. Letztere habe ich selbst dann bei mir, wenn kein Rechner und kein Internet in Reichweite ist.


    Meine Fingerspitzen ersinnen nichts, sie tippen das Erdachte nur ein. Meine Fingerspitzen formulieren nicht, sie finden keine Themen, sie schreiben nur das, was "von oben", aus meinem Kopf kommt. Sie zaubern ergänzende Informationen herbei, doch nur jene, die mein Kopf zu sehen wünscht. Ich möchte es so formulieren: Ihre Fingerspitzen beschaffen Ihnen auf Wunsch das Wissen der Welt - doch nur, wenn Ihr Kopf die nötige Weisheit besitzt, sind Sie in der Lage, es zu nutzen.


    Genau das, den Unterschied zwischen Wissen und Weisheit, müssen die Schüler lernen. Wir denken nicht nach, sondern fragen, wenn wir es nicht verstanden haben. Was in der Schule richtig gewesen sein mag, ist im Leben oft fehl am Platz. Was ist der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit? Ein Wissender wird geachtet wie ein Weiser, nicht wahr? Nein, es gibt einen gewichtigen Unterschied! Wissen wird leicht erworben und womöglich ebenso leicht wieder verloren. Ich lerne auf eine Prüfung, speichere Wissen in mein mittelfristiges Gedächtnis, um es wieder zu verlieren, nachdem die Prüfung absolviert ist. Je leichter wir Wissen erwerben, um so geringer schätzen wir es ein.


    Ich lese und genieße Zukunftsromane. Dabei stelle ich fest, daß die "alten" Autoren, beispielsweise ein Hans Dominik, die Naturgesetze gekannt und nur ein bißchen verbogen haben. Die "neuen" Autoren können alles schreiben, Western oder Gesellschaftskritik, Krimis oder Liebesgeschichten. Sie sind gute Handwerker, unterhaltsame Schriftsteller, aber ihnen fehlt oft der Hintergrund, das Verständnis für das Universum. Die Herrschaften haben es versäumt, ihre Hausaufgaben zu erledigen.


    Wissen ist kurzfristig und kurzlebig. Bei kleinen Kindern erleben wir, daß die 38mal hintereinander "Warum?" fragen können und Eltern und andere Erwachsene damit in die Verzweiflung treiben. Die Kleinen haben jedoch ein phantastisches Gedächtnis und merken sich, was wir antworten. Sie merken sich auch die Druckfehler - so mußte ich von "Tribolit" auf "Trilobit" umlernen. Als Erwachsene tun wir uns schwerer damit. Je schneller wir unsere Fragen beantwortet bekommen, desto eher vergessen wir diese Antworten. Wie gewonnen, so zerronnen - das beschreibt den Effekt sehr gut.


    Das bewährte Verfahren, um sich Wissen dauerhaft anzueignen, heißt Übung. In der Schule heißen die Übungen Hausaufgaben, bei den Soldaten Drill. Da wird ein Gewehr zwanzigmal zerlegt und wieder zusammengesetzt, dann die Gasmaske übergezogen, zehnmal zerlegt und zusammengesetzt, dann sorgt ein Stiefelbeutel für fehlende Sicht und wieder wird zehnmal zerlegt und zusammengesetzt. Der Rekrut beherrscht das im Schlaf, in völliger Dunkelheit, kann so eine Ladehemmung blind beseitigen und schnell wieder schießen.


    Diesen Drill, diese Übung, vermeiden wir gerne. Warum auch? Wir können doch den Meister fragen! Einmal, zweimal, fünfmal - bis der Meister in Verzweiflung ausbricht und die Flucht ergreift. Vor seinen Schülern? Nein, denn das sind keine Schüler, das sind Leute, die unterhalten werden wollen. Diese Herrschaften brauchen keinen Meister, sondern einen Hofnarren.


    Warum lernen? Warum üben? Warum denken? Das ist doch alles Zeitverschwendung, wenn man nur fragen muß, um alles mundgerecht und für den Augenblick serviert zu bekommen. Rohe Kartoffeln muß man schälen und kochen, bevor sie genießbar werden, da greift man lieber zur Praline, mundgerecht und wohlschmeckend, bequem und ohne Arbeit.


    Ist das gut so?


    Leider nein! Nur der Lehrling, der sich bemüht zu lernen, wird schließlich zum Könner, zum Gesellen. Der Meister der Bequemlichkeit ist kein wirklicher Meister, denn er hat nichts ersonnen. Der Meister der Bequemlichkeit will sich dem wahren Meister hinterhertragen lassen, er wünscht den Königsweg, den Weg zum Wissen, ohne jede Weisheit. Er wird nie neben dem denkenden Meister herschreiten, das Gedachte verbessern und so seinen Teil zum Werk beitragen. Der Bedenkenträger wird niemals zum Weltweisen, sondern immer nur ein Nachfolgender bleiben, bestenfalls ein Jünger, niemals ein Apostel.


    Wer ist Meister? - Der was ersann!


    Wenn ich weiter gesehen habe als Andere, dann deswegen, weil ich auf den Schultern von Riesen gestanden bin! Wer das gesagt hat? Ich könnte nachschlagen, und wenn Sie es wissen wollen, sollten Sie es tun. Um die Weisheit dieses Satzes zu erfassen, ist es unnötig. Ich bin nicht allein, ich bin nicht der Erste, ich lebe von den Weisheiten meiner Vorgänger. Vor-Gänger... Jene, die mir vorangeschritten sind, deren Spuren ich gefolgt bin, bis, ja, bis ich den Ort erreicht habe, an dem sie aufgehört haben voranzuschreiten. Ich nehme die Machete aus den Fingern der Leiche, schärfe sie mit meinem Wetzstein und schlage mir meinen eigenen Weg durch den Dschungel. Hundert Schritte? Zehn Schritte? Fünf? Vielleicht nur einen einzigen, und doch, ich habe den Weg erweitert. Der nächste Meister, der bereit ist, weiter zu denken, steigt auf meine Schulter, nimmt die Machete aus meiner erkalteten Hand, schärft sie und schreitet weiter.


    Ich kenne den Wunsch der Geistes-"Wissenschaften", aus einer "Rezension" zur Erstauflage meiner "Spirituellen Welt". Der Schreiberling bemängelte die fehlende Bibliographie, also die Angabe dessen, wo überall ich abgeschrieben habe. Abschreiben, zitieren, gelehrt über die Gedanken Dritter reden - was bringt das? Wer zum Nordpol will, braucht keine Karte, wie er nach London oder Kopenhagen findet. In der zweiten Auflage gibt es die Bibliographie, die Wege nach Glasgow, Sankt Petersburg oder Hammerfest - und ja, es geht sogar nach Rüdesheim. Prost und viel Vergnügen, aber wollten Sie nicht zum Nordpol? Da genügt es nicht, den Rheinwein zu trinken, oder Whisky oder Wodka. Und warum sollten Sie noch einmal zur Reisevorbereitung nach Rüdesheim wollen, wenn Sie schon am Nordpol sind?


    Wer ist Geselle? - Der was kann!


    Es mag arrogant klingen, aber es gibt viel mehr Gesellen als Meister. Wo der Meister einen Trampelpfad gebahnt hatte, bauen Gesellen diesen zum Weg aus, zur Straße und schließlich zur Autobahn. Es bedarf eines großen geübten Künstlers, um ein detailgetreues Bild zu malen. Und es bedarf eines kleinen, billigen Apparats, um ein noch detailgetreueres Bild zu photographieren. Die ersten Photographen waren noch Künstler, die mit Glasplatten arbeiteten. Mit Zelluloid kamen die Knipser, die "schnell mal" zuschlugen. Heute gibt es die digitalen Apparate, die ein Bild bereits bei der Aufnahme korrigieren, die jedem helfen, brauchbare Bilder abzulichten. Die Kunst der Retusche beherrscht heute jeder Computer.


    Sie alle brauchen kein Studium an einer Kunstakademie mehr, Ihr Handwerkszeug ist ersonnen. Ein wenig Hingabe, ein bißchen Übung, und Sie sind Geselle. Sie können photographieren, Sie können Bilder korrigieren und aufwerten, weil Meister die Apparate und Programme ersonnen haben. Sie können als Geselle die Möglichkeiten erkunden, die Ihnen die Technik gibt. Sie können sich austauschen und fortbilden, besser und besser werden. Und Tante Frieda freut sich über drei Dutzend Bilder, an ihrem 75. Geburtstag geknipst, mindestens genauso, wie über ein Ölgemälde, das diesen Geburtstag nachempfindet.


    Wer von einem Meister lernt, direkt oder indem er die Werkzeuge des Meisters benutzt, wird als Könner geachtet werden. Könner werden Sie aber nur, wenn Sie sich vom Rockzipfel des Meisters lösen. Sie können nichts, wenn Sie dauernd nachfragen müssen. Könner verlassen sich auf sich selbst, auf das Erlernte, auf das Eingeübte. Dem Lehrling muß ein Handwerksmeister ständig auf die Finger sehen, um Fehler frühzeitig auszumerzen. Bei einem Gesellen genügt es, den Auftrag zu erteilen und bestenfalls am Ende zu kontrollieren, wenn der Meister mit seinem guten Namen für die Arbeit des Gesellen bürgt. Es gibt nichts zu beanstanden, denn der Geselle ist ein Könner.


    Ruhen Sie sich als Geselle nicht auf den errungenen Lorbeeren aus. Lernen Sie verstehen, erschließen Sie sich die Gedanken des Meisters - und wagen Sie, über die hinaus voranzuschreiten! Der Schritt vom Gesellen zum Meister ist groß, aber er lohnt sich. Wagen Sie zu denken! Steigen Sie auf die Schultern der Riesen und schauen Sie weiter als Andere! Das ist der Schritt von der Könnerschaft zur Meisterschaft. Er steht Ihnen offen, wenn Sie nur wollen.


    Sind Sie Lehrling?


    Ein Lehrling ist jemand, der lernen will. Wollen Sie lernen oder kritisieren? Wollen Sie lernen oder fragen? Natürlich darf ein Lehrling fragen, denn wenn er etwas könnte und die Antworten wüßte, wäre er kein Lehrling mehr. Jedoch muß er zuerst denken und dann fragen, nicht umgekehrt.


    Wir Menschen sind faul, wenn es geht, wählen wir den einfachen Weg. Bücher über "positives Denken", wo es genügt, "beim Universum zu bestellen", oder "das Gesetz der Anziehung" zum mühelosen Wohlstand zu benutzen, verkaufen sich bestens. Sie führen tatsächlich zum Reichtum - und zwar deren Autoren. "There is no such thing as a free lunch" - das sagt Ihnen keiner dieser Autoren. Übersetzt klingt es banal: Von nichts kommt nichts. Lehrling sind Sie, wenn Sie lernen wollen. Durch Lernen werden Sie zum Gesellen, zum Könner - nur durch Lernen, nicht durch "positive Gedanken", nicht durch ständiges Zweifeln und Kritisieren. Und wer etwas kann, bekommt die Möglichkeit, auf die Schulter der Riesen zu steigen und weiter zu sehen. Doch leider ist das wirkliche Geheimnis hinter diesem Erfolg ein Ungeliebtes. Ich glaube, Sie ahnen es. Der Meister kann Ihnen den Weg zeigen, Sie müssen ihn selbst, mit eigenen Füßen beschreiten - und das bedeutet ARBEIT.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon