Junge Freiheit: Der DFB und das gestohlene Interview.

  • [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-6u.jpg','left'] Den Lesern der JUNGEN FREIHEIT wollte Horst Eckel, einer der letzten Heroen des „Wunders von Bern“, über den schwierigen Stand unserer Nationalmannschaft, die WM 2010 und den neuen deutschen Fußballpatriotismus kompetent Auskunft geben. Das Interview verlief angeregt, dessen Abschrift fand Eckels fast uneingeschränkte Zustimmung. Nur die des Deutschen Fußballbundes, die Eckel als offizieller Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung des DFB einholen wollte, stand noch aus ... Dieser Vorgang sollte sich zum Skandal entwickeln:


    • Freitag, 18. Juni: Für die Bitte um Vermittlung eine Interviews mit Horst Eckel signalisiert die angesprochene Sepp-Herberger-Stiftung ihre Zustimmung, alles weitere soll am Montag besprochen werden. Die ebenfalls angefragte Pressestelle des 1. FC Kaiserslautern antwortet nicht.


    [imgr]http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-6v.jpg[/imgr] • Montag, 21. Juni, ca. 9 Uhr: Die Sepp-Herberger-Stifung macht ihre Zusage rückgängig, ebenfalls sagt der 1. FCK ab. Beide erklären, der JF ein Interview mit Eckel zu verweigern. – Allerdings, sie waren nicht um Erlaubnis, sondern ausdrücklich nur um Vermittlung gebeten worden. Hatten sie Horst Eckel überhaupt gefragt?


    • Montag, 21. Juni, ca. 11 Uhr: Anscheinend nicht, denn Horst Eckel weiß von all dem nichts und freut sich sichtlich über die Anfrage. Das JF-Gespräch verläuft offenbar zu seiner Zufriedenheit. Seine Fax-Nummer wird erbeten, damit der Text auch ordentlich autorisiert werden kann.


    • Montag, 21. Juni, ca. 19 Uhr: Horst Eckel hat die Abschrift des Interviewtexts erhalten und ist nach der ersten Durchsicht offensichtlich zufrieden: Kaum etwas, so bestätigt er am Telefon, das er ändern werde. Am Dienstagvormittag wolle er den Text offiziell freigeben. Plötzlich meldet sich die Sepp-Herberger-Stiftung wieder und kündigt an, sie wolle im Einvernehmen mit Eckel den Text ebenfalls autorisieren. Überdies versucht sie, der JF den weiteren Kontakt mit Horst Eckel zu verbieten. Was die Redaktion – nicht zuletzt aus Sorgfaltspflicht gegenüber ihrem Interviewpartner – natürlich ignoriert.


    • Dienstag, 22. Juni, ca. 10 Uhr: Horst Eckel bestätigt erneut, er sei mit dem Text weitgehend einverstanden, fügt aber an, daß die endgültige Version tatsächlich von seiten der Herberger-Stiftung zugefaxt werde. Diese verspricht gegenüber der JF-Redaktion schriftlich: „Sie erhalten im Laufe des Vormittags den freigegebenen Text.“


    • Dienstag, 22. Juni, 11.39 Uhr – und damit 21 Minuten vor Redaktionsschluß: Der DFB in Frankfurt/Main schaltet sich überraschend ein und verbietet der JF schriftlich – angeblich „nach Rücksprache mit Horst Eckel“ –,das Interview zu veröffentlichen. Als Gründe gibt der Mitarbeiter gegenüber der JF an, es sei journalistisch „unlauter“, im Interview über das Spiel gegen Ghana zu sprechen, bevor dieses stattgefunden habe. – Dumm nur, daß der DFB auf seiner Netzseite selbst bereits über das Spiel spricht. Eine andere Ausrede muß her: „Unlauter“ sei zudem, Eckel trotz Absage des 1. FCK angefragt zu haben. Erneut ignoriert man, daß die JF nie um Erlaubnis, sondern um Vermittlung gebeten hat – und daß Horst Eckel volljährig ist.


    • Dienstag, 22. Juni, ca. 11.55 Uhr: Ein Anruf der JF bei Horst Eckel bringt ans Licht, daß der DFB offenbar gelogen und versucht hat, Eckel zu manipulieren. Der weiß nämlich weder etwas von einer „Rücksprache“ mit ihm, auf die sich der DFB gegenüber der JF berufen hat, noch davon, daß das Interview zurückgezogen ist. Während des JF-Telefonats mit Eckel klingelt dessen zweiter Apparat: die DFB-Pressestelle. Ohne deren Wissen wird die JF durch diese Situation nun unfreiwillig Ohrenzeuge des Gesprächs (Wiedergabe sinngemäß): Herr Eckel, geben Sie das Interview nicht frei! ... Ich habe heute morgen extra noch einmal mit Südafrika telefoniert! – Und dann läßt der Anrufer die Katze aus dem Sack: Genau der Redakteur, Herr Eckel, hat bereits Theo Zwanziger angegriffen! Was der DFB-Mann Eckel nicht verrät: Es handelt sich um eine Anspielung auf ein Interview des JF-Redakteurs Moritz Schwarz im Sommer 2009 mit DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, das in der Tat – horribile dictu – auch kritische Fragen zu DFB-Präsident Zwanziger enthielt. Bestraft der DFB die junge freiheit also, weil sie es wagte, kritische Fragen zu stellen?


    • Dienstag, 22. Juni, ca. 12.05 Uhr: Auch die nachträgliche „Rücksprache“ des DFB mit Eckel, in dessen Namen er zuvor der JF „Unlauterkeit“ vorgeworfen hatte, bringt nicht das gewünschte Ergebnis: Eckel beendet das Gespräch und kehrt zurück zum Apparat mit dem immer noch offenen JF-Telefonat, spricht aber immer noch nicht von einer Absage, sondern entscheidet lediglich, den Konflikt in die Hand eines aus seiner Sicht unabhängigen Dritten, der Herberger-Stiftung zu geben, die offenbar sein Vertrauen genießt. Menschlich verständlich – doch natürlich gehört die Herberger-Stiftung zum DFB ...


    • Dienstag, 22. Juni, 12.15 Uhr: Unter dem Druck des DFB macht die Herberger-Stiftung einen Rückzieher – und verbietet den Abdruck des Interviews.


    • Dienstag, 22. Juni, 13.51 Uhr: Ein Fax Horst Eckels soll dieses Verbot bekräftigen. Doch die Fax-Kennung weist nicht Eckels Anschluß aus, sondern den der Stiftung in Köln – 265 km von Eckels Wohnort in der Pfalz entfernt. Ist das Fax echt? Mit Rücksicht auf Horst Eckel entscheidet sich die JF-Redaktion, auf den kenntlichen Abdruck des Interviews zu verzichten, den Vorgang aber öffentlich zu machen.


    „Horst Eckel wurde unter Druck gesetzt“


    [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-6w.jpg','left'] Die Absage eines Interviews mit Fußball-Legende Horst Eckel durch den Deutschen Fußballbund schlägt hohe Wellen. Die Hintergründe des Falls schildert der zuständige JF-Redakteur Moritz Schwarz in einem Gespräch mit der Internet-Redaktion:


    Herr Schwarz, die Telefone stehen nicht still: Inzwischen haben sich zahlreiche Leser der JUNGEN FREIHEIT beim Deutschen Fußballbund (DFB) über die Zensur des Interviews mit Horst Eckel beschwert. Der Verantwortliche in der DFB-Pressestelle, Thomas Hackbarth, wäscht allerdings seine Hände in Unschuld: Nicht der DFB, sondern Horst Eckel habe das Interview zurückgezogen. Was stimmt denn nun?


    Schwarz: Es klingt hart, aber Herr Hackbarth lügt. Herr Eckel wollte das Interview gerne freigeben. Das hat er mir gegenüber am Telefon deutlich gemacht. Dann aber hat Herr Hackbarth persönlich Herrn Eckel per Telefon unter Druck gesetzt, dies nicht zu tun. Was Herr Hackbarth nicht weiß, ich bin unfreiwillig Ohrenzeuge dieses Telefonats geworden. Daraufhin ist Herr Eckel entnervt, und nicht wissend wie ihm geschieht, eingeknickt. Hackbarth hat Eckel also unter Druck gesetzt und stellt es jetzt so dar, als habe Eckel die Entscheidung aus eigenem Antrieb getroffen. Diese Argumentation ist eine Farce.


    Aber immerhin stimmt dann, daß Eckel das Interview zurückgezogen hat. Formal gesehen hat Herr Hackbarth dann recht.


    Schwarz: Nicht einmal das. Denn Horst Eckel tat trotz des Drucks von seiten des DFB nicht genau das, was Herr Hackbarth von ihm verlangte, nämlich zurückzuziehen, sondern löste sein Problem, indem er die Entscheidung delegierte und in die Hände der Sepp-Herberger-Stifung legte. Eckel ist Repräsentant der Stiftung und vertraut dieser offenbar. Die Herberger-Stifung gehört aber zum DFB und reichte die Entscheidung ihrerseits weiter – und zwar an Herrn Hackbarth von der DFB-Pressestelle in Frankfurt am Main. Erst der entschied dann: Nein! – Wenn Herr Hackbarth sich jetzt also hinter Herrn Eckel verschanzt, ist das gelogen und feige.


    „Ich finde Eckels Reaktion menschlich nachvollziehbar“


    Aber trifft Herrn Eckel nicht dennoch eine Schuld? Warum hat er sich überhaupt vom DFB beeinflussen lassen?


    Schwarz: Objektiv gesehen haben Sie recht, er hätte einfach sagen können: Was geht das den DFB an? Subjektiv gesehen: Herr Eckel ist ein netter, älterer Herr, der seinen Frieden haben möchte und über den das alles hereingebrochen ist. Vermutlich war der DFB für ihn immer eine Heimat. Realiter hat der DFB also Einfluß auf Horst Eckel und hat diesen ohne Rücksicht ausgenutzt. Sie können das schwach finden von Herrn Eckel, ich finde das menschlich nachvollziehbar – wir sind alle keine Helden.


    Gibt es denn Beweise für Ihre Darstellung?


    Schwarz: Nein, es steht Aussage gegen Aussage, das ist mir klar. Aber das ändert nichts am Wahrheitsgehalt. Beweise können gar nicht existieren, weil ich dazu die Telefonate hätte heimlich mitschneiden müssen, das aber widerspricht dem Ethos unseres Hauses. Sonst wäre es möglich, sowohl den Anruf Herrn Hackbarths bei Herrn Eckel zu dokumentieren, mit dem dieser ihn unter Druck gesetzt hat, als auch mein Telefonat mit Horst Eckel, in dem dieser ausdrücklich das Interview nicht zurückzieht, sondern die Entscheidung dem DFB bzw. der Sepp-Herberger-Stiftung überträgt.


    Bekommt der Leser denn nun vom DFB den zensierten Interviewtext?


    Schwarz: Das müssen sie Herrn Hackbarth fragen, ich kann mir aber nicht vorstellen, daß er ihn rausrückt. Dennoch, rufen Sie ihn an, denn bei ihm sind Sie an der richtigen Adresse: Er hat das Nein ausgesprochen, nicht Horst Eckel.


    „Die Sache ist dann doch nicht totzuschweigen“


    Wenn Horst Eckel ja sagen würde ...


    Schwarz: ... dann wäre alles geritzt, aber das wird Herr Hackbarth weiter zu verhindern wissen.


    Warum sollte man sich dann überhaupt noch an Herrn Hackbarth wenden?


    Schwarz: Um ihm bestimmt aber höflich zu sagen, daß man sich als Leser der JF nicht einfach so herumschubsen läßt. Mehr ist wohl nicht drin, aber immerhin; ich bin überzeugt, Herr Hackbarth ist ziemlich überrascht. So einfach, wie der DFB es sich vorgestellt hat, ist die Sache dann doch nicht totzuschweigen. Und er wird das sicherlich auch seinen Vorgesetzten mitteilen, denn klar ist: Hinter der Entscheidung stecken natürlich andere.


    Nämlich?


    Schwarz: Bei dem von mir unfreiwillig belauschten Einschüchterungstelefonat Herrn Hackbarths mit Herrn Eckel konnte ich hören, wie Hackbarth herausstrich, er habe in der Sache extra „mit Südafrika telefoniert“. Gemeint hat er wohl irgendwelche DFB-Bosse, die derzeit bei der WM sind. Hat er vielleicht sogar von Theo Zwanziger persönlich seine Anweisungen erhalten? Es kann nur spekuliert werden.


    Fordern Sie den Text des Interviews an bei: Thomas Hackbarth, Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des DFB, Otto-Fleck-Schneise 6, 60528 Frankfurt / Main Tel.: 069 / 6788-337, E-Post: thomas.hackbarth@dfb.de


    Quelle: Junge Freiheit

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

  • Jaja, "freie Presse" oder wie war das? ;)


    Würde mich mal interessieren, was da im Interview so alles drinsteht.

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  • Zitat von "Scattermax"

    Würde mich mal interessieren, was da im Interview so alles drinsteht.


    Wahrscheinlich nichts dramatisches. Dem DFB geht es wohl in erster Linie darum, dass sich die JF nicht mit Horst Eckel "schmückt".


    Bester Gruss
    RockNORD-Redax

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

  • Zitat von "RockNORD"

    Wahrscheinlich nichts dramatisches. Dem DFB geht es wohl in erster Linie darum, dass sich die JF nicht mit Horst Eckel "schmückt".


    Das klingt sehr einleuchtend. Wobei der Lack von diesem Schmucksück jetzt auch rampiniert ist, wenn er so schnell einknickt. Er hat doch nichts mehr zu verlieren und sollte sich von der CIA-Tarnorganisation DFB nicht unter Druck setzen lasse. (Und nein, das mit der CIA ist keine wilde Verschwörungstheorie, sondern offen im Weltnetz nachzulesen. Das Bindeglied ist die Henry Ford Foundation, die wiederum nichts mit Ford zu tun hat.)