Angelika Willig: Die Natur ist stärker.

  • [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-4b.jpg','left'] Frauen im Zweifrontenkrieg zwischen "Gender-Mainstreaming" und "neuem Sexismus": "Erkenne die Lage! Wo steht der Feind?" lautet eine häufig zitierte Formulierung des konservativen Denkers Carl Schmitt. Gerade Konservative können diese Mahnung gebrauchen, denn immer wieder orten sie den Feind dort, wo er vor dreißig oder vierzig Jahren stand, und erkennen nicht die neuen Fronten, die sich inzwischen gebildet haben. Ein aktuelles Beispiel ist die Frauenfrage. Da wird das "Gender Mainstreaming" zum Lieblingsfeind aller Traditionsbewußten, als sei das Geschlecht des Menschen ein "Wert", den man gegen freche Aufklärer verteidigen müsse. Das Geschlecht ist aber eine biologische Tatsache, um die niemand herumkommt.


    [imgr]http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-4c.jpg[/imgr] Auch die 68er sind mit ihrem Programm der Emanzipation längst an ihre natürlichen Grenzen gestoßen. Wer erinnert sich nicht an die Fernsehdiskussion zwischen Verona Feldbusch und einer baß erstaunten Alice Schwarzer, daß es inzwischen Frauen gibt, die hübsch, schlau, charmant und erfolgreich sind – und manchmal sogar Kinder bekommen. Solche Frauen verkörpern das Scheitern der eifernden Emanzen. Das "Gender Mainstreaming" entpuppt sich so als alberne bürokratische Maßnahme zur Rettung der verlorenen linken Hegemonie. Das kostet eine Menge Geld, das anderswo dringend gebraucht würde. Der Effekt dürfte jedoch so ziemlich null sein. Das erinnert an den "Kampf gegen Rechts", der ebenfalls in die Tasche von Leuten arbeitet, die sonst wahrscheinlich Schwierigkeiten hätten, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.


    An Absurdität darf sich die Behauptung, jeder könne sein Geschlecht frei wählen und nach Wunsch wechseln, wohl mit der Annahme messen, die "Neonazis" stünden kurz vor der Machtübernahme. Beides ist indiskutabel und nur zu erklären als verzweifelter Versuch, sich gegen die Realität zu stemmen.


    Schluß mit flachbrüstig!


    Hier ist die amerikanische Feministin Susan Faludi schon ehrlicher, wenn sie im Jahr 1992 ein Buch herausgibt mit dem Titel "Backlash" (= Gegenbewegung) und darin offen erklärt, daß die Ziele des Feminismus in vielen Bereichen gescheitert sind. Auf Plakaten und Bildschirmen feiert das "Lustobjekt" fröhliche Urständ. Man kann schon verstehen, weshalb Frauen, die zwanzig Jahre gekämpft haben, sich jetzt vor Wut in den Hintern beißen.


    Und die Botschaft des "neuen Sexismus" (Susan Douglas) kommt bei jungen Mädchen und Frauen bestens an. Ihre Vorbilder stammen nicht aus der Zeitschrift "Emma", sondern aus der Serie "Sex and the city", und die Nagelstudios für französische Maniküre sprießen wie Pilze aus dem Boden.


    "Die Männer schlagen zurück", lautet der deutsche Titel von Faludis Bestseller. Doch was hier zurückschlagt, sind weniger die Männer als die natürliche Eitelkeit der Frau. Zwischen Ende der 60er und Ende der 70er Jahre gingen Studentinnen flachbrüstig in Jeans und T-Shirts, ungeschminkt und mit strähnigen Haaren, um ihre Unabhängigkeit von jeder "männlichen Erwartungshaltung" und der "traditionellen Rolle" zu demonstrieren. Ihre Töchter lesen jetzt wieder "Brigitte" und "Vogue", besuchen Haarstudios und betreiben bei fortschreitendem Alter ein strapaziöses "Anti-Aging".


    [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-4d.jpg','left'] Von der amerikanischen Neurowissenschaftlerin Louann Brizendine ist vor wenigen Jahren ein Buch erschienen mit dem Titel "Das weibliche Gehirn – Warum Frauen anders sind als Männer". Schon durch ihre eigene wissenschaftliche Tätigkeit beweist die Autorin, daß weibliche Gehirne sehr wohl zu abstraktem Denken fähig sind. Doch der Hormonhaushalt bei Frauen und Mädchen führt zu einer speziellen Interessenlage und typisch weiblichen Verhaltensweisen – und zwar unabhängig von den geistigen Fähigkeiten. Kleine Mädchen, die nicht mit Puppen, sondern mit Autos spielen wollen, können laut Brizendine sogar an einer Stoffwechselkrankheit leiden, dem "Adrenogenitalen Syndrom" (AGS), wenn zu viel Testosteron in das Gehirn des Ungeborenen gelangt ist.


    Falscher Emanzipationsbegriff


    Das feministische Erziehungsideal als Folge einer organischen Krankheit: solche Resultate schockieren die altbackenen Feministinnen ebenso wie die geballte Weiblichkeit in der Dessous- und Parfümwerbung. Vor diesem Hintergrund erscheint das Programm "Gender Mainstreaming" als letzte Offensive eines bereits geschlagenen Gegners. Wer auf diesen Popanz hereinfällt, das sind nicht die jugendlichen Adressaten, sondern jene Konservativen, die eisern an den Sieg von 68 glauben und alle danach aufgekommenen Entwicklungen selig verpennt haben. Doch sechs Millionen Jahre Evolution sind nicht durch einen zehnjährigen Feldzug gegen den Büstenhalter aufzuheben.


    Die Frage lautet viel eher, wie und von wem die biologischen Tatsachen genutzt oder ausgenutzt werden. Und derzeit sind es vor allem Handel und Industrie, auch die Medienindustrie, die virtuos auf der Klaviatur der Sexualität spielen. Wer die Natur leugnet, ist immer der Schwächere. Doch wer sie zu pervertieren versteht wie der Kapitalismus, kann sehr stark werden.


    Der "Feind", dem die Frau heute gegenübersteht, ist nicht ein falscher Emanzipationsbegriff, sondern eine verkommerzialisierte silikonverstärkte Superweiblichkeit, die zu Minderwertigkeitsgefühlen, Jugendwahn und schließlich zum Schönheitschirurgen führen können. Unter diesem obsessiven Sexkult leidet nicht nur die geistige Entwicklung von Frauen, sondern auch die Offenheit für Kinder und Familie. Wer beispielsweise Eßstörungen entwickelt, wie immer mehr Teenager, hat bald für nichts anderes mehr Interesse als für das eigene Gewicht. Eine subtilere Form politischer Unterdrückung gibt es nicht.


    So kann man gar nicht abstreiten, daß wir heute mit den Emanzen von gestern sogar eine Gemeinsamkeit haben in der Empörung gegen eine "frauenfeindliche" Modeindustrie inklusive der Unzahl von "Frauenzeitschriften", die nur drei Themen kennen: "schön, schlank, sexy". Doch im Unterschied zu Autorinnen wie Douglas und Faludi stehen wir auf Seiten der weiblichen Natur und halten sie letztlich für stärker als ihren kommerziellen Mißbrauch.


    Quelle: Angelika Willig

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

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