Michael Winkler: Laokratie.

  • [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-3g.jpg','left'] Im Altgriechischen gibt es zwei Worte für "Volk": Laos und Demos. Wobei Demos noch eine andere Bedeutung hat: So wird beim Sud von Färberlösungen der Schaum auf dem Kessel genannt, der die Verunreinigungen enthält und abgeschöpft und weggeworfen wird. Dieser Abschaum und das Volk werden recht ähnlich geschrieben, es ändern sich nur die Betonungszeichen. Die Ähnlichkeit ist noch größer als zwischen "Volksvertreter" und "Volksverräter". Vermutlich gab es im alten Griechenland Kollegen von mir, die ganz bewußt "Demokratie" als "Herrschaft des Abschaums" ausgesprochen haben. Um solche "Betonnungsfehler" (bringen ein Schiff zum Kentern) auszuschließen, möchte ich die mißratene Form dieser Herrschaft als Demokratie bezeichnen und die gelungene Form als Laokratie. Und wenn Sie in völliger Unkenntnis des Altgriechischen unsere repräsentative Parteien-Demokratie als "Herrschaft des Abschaums" aussprechen, dann erkennen das oft nicht einmal Altphilologen.


    Die Volksherrschaft taucht in der menschlichen Entwicklung mehrfach auf. Sie entsteht gleich nach dem Faustrecht, sobald die Primaten gelernt haben, sich zu organisieren. Schon Schimpansenhorden verfügen über eine intakte Basisdemokratie, wobei der muskelstarke Prügelchef gelegentlich von mehreren Hordenmitgliedern seines Amtes, seiner Staatsbürgerschaft und seines Lebens enthoben wird. Diese Regierungsform paßt wunderbar zu kleinen Gemeinschaften, in denen jeder die Stärken des Anderen kennt. Da gibt es einen Jagdhäuptling und einen Kriegshäuptling, eine Schamanin und eine Medizinfrau, die sich durch ihre Sachkunde und ihre Erfolge für ihr Amt qualifiziert haben.


    An Stelle dieser Volksherrschaft tritt nach einer Weile der Entwicklung die Aristokratie. Diese entsteht ganz natürlich durch Vererbung. Der Jagdhäuptling bringt seinem Sohn - und nur diesem - die kleinen Tricks bei, die ihm sein Amt verschafft haben. Er bildet seinen Sohn - und nur diesen - zum neuen Jagdhäuptling aus. Dank seiner Sachkunde und seiner Erfolge wird der Bengel tatsächlich Jagdhäuptling und erbt so das Amt von seinem Vater. Beim Kriegshäuptling funktioniert das mittels Darwinismus, große starke Häuptlinge zeugen mit den schönsten und lebenstüchtigsten Frauen große starke Nachkommen.


    Außerdem fördern Mergers & Acquisitions das Entstehen einer Aristokratie. Wenn ein Dorf erfolgreich mit einigen anderen Dörfern fusioniert, betrachten sich die Eroberer gerne als gottgewollte Herren. Diese Herren sollten sich bei der Nachfolgeregelung ihres Häuptlings nicht gegenseitig dezimieren, denn es sollten genügend Herren übrig bleiben, um die fusionierten Dörfer weiterhin zu beherrschen. Ehe das jetzt zu einem Leitfaden für Kolonialpolitik wird: Es bildet sich durch solche Prozesse ein Adel heraus, Leute, die auf die anderen hinabschauen und diese beherrschen.


    Bei hochentwickelten Völkern wie den Germanen blieb die Volksherrschaft bis zur Einführung des Christentums erhalten, da regelte die Ratsversammlung der freien Männer die anstehenden Probleme laokratisch. Sogar der Anführer bei einem Feldzug, der Herzog, wurde gewählt, nicht dank der Verdienste ferner Vorfahren auf den Schild gehoben. Bei den primitiver gestrickten Völkern des Mittelmeerraumes bildete sich die Adels- und Fürstenherrschaft viel früher aus.


    Nach einer Weile entschloß man sich, den Adligen ihre Privilegien wieder abzunehmen (Griechenland) und Könige davonzujagen (Rom). An Stelle der eingearbeiteten Leute herrschten nun bürgerliche Dilettanten, von denen die Adligen ganz aus Versehen als "Herrschaft des Abschaums" gesprochen haben.


    Dabei war Griechenland, war vor allem Athen der Laokratie ziemlich nahe gekommen. Alle freien Männer hatten in der Ratsversammlung gleiches Stimmrecht. Das hieß, daß nur qualifizierte Bürger mitreden durften, Sklaven und "Zuwanderer" hatten nichts zu sagen. Frauen waren von der Regierung ausgeschlossen, eine Regelung, die uns Angela Merkel, Claudia Roth, Rita Süßmuth, Andrea Nahles und Sarah Wagenknecht erspart hätte. Dann gab es das Scherbengericht, das es erlaubte, "verdiente" Politiker aus der Stadt zu jagen. Das hätte uns nicht nur Angela Merkel, Claudia Roth, Rita Süßmuth, Andrea Nahles und Sarah Wagenknecht erspart, sondern auch Helmut Kohl, "Joschka" Fischer, Gerhard Schröder, Otto Graf Lambsdorf und Hartmut Mehdorn frühzeitig aus dem Amt gekegelt.


    Die Griechen hatten damals ein eindeutig gegliedertes Herrschaftssystem, an dessen Spitze der dreijährige Sohn des Themistokles stand. Seine Mutter verwöhnte ihren Sohn und tat alles, was dieser wollte. Ihrem Ehemann gegenüber war sie nicht so nachgiebig, deshalb tat der alles, was Frau Themistokles wollte. Der wiederum war ein erfahrener Demagoge, deshalb tat Athen alles, was Herr Themistokles wollte. Zu dem Zeitpunkt war Athen noch die Vormacht und ganz Griechenland (bis auf die Spartaner) tat das, was Athen wollte.


    [imgr]http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-3h.jpg[/imgr] Griechen und Römer haben während der Dauer ihrer Demokratie durchaus Großes geleistet, doch letztlich passierte das, was die Urzeit-Volksherrschaft ausgemerzt hatte: die Vererbung. Jetzt nicht mehr im darwinistischen Sinne, sondern vielmehr zasterhaft. (Wieso klingt "Zaster" so ähnlich wie "Laster"? Und steckt dieser "Zaster" auch in "Desaster"?) Geld und Besitz ließen sich bestens vererben, und wer genug Geld hatte, konnte sich damit Stimmen und Macht kaufen. Mit dem Geld wurde die Macht vererbt, außerdem Schlägertrupps und Feuerwehren. Jedenfalls ging es den damaligen Republiken ziemlich schlecht, weil die damaligen Volldemokraten sich um die Macht gebalgt haben, zum Schaden des Volkes. Ähnlichkeiten zu heute sind nicht zufällig, sondern entwicklungsgeschichtlich bedingt.


    In der Antike wurde die abgewirtschaftete Herrschaft des Abschaums durch Cäsaren beseitigt. Wäre das Reich von Alexander dem Großen bestehen geblieben, spräche man heute wohl von Alexandern und den Titel Kaiser gäbe es ebenfalls nicht. Statt dessen wurde Gaius Julius zum Namens- und Titelgeber; und wer den alten Franz Beckenbauer als Fußball-Alexander bezeichnet, beleidigt die noch etwas älteren Mazedonier.


    Mit der heutigen Demokratie haben die Franzosen angefangen, mit ein paar Anleihen bei den Engländern. Wobei die Engländer ursprünglich nicht darauf aus waren, dem Pöbel und den Demagogen die Herrschaft zu überlassen. Bei denen hat der Adel im Oberhaus bestimmt; und damit die Unterschicht an den Wahlen gehindert wird, wählen die sogar heute noch an einem Donnerstag. Selbst am 6. Mai 2010 standen die Wähler vor geschlossenen Türen und wurden ihre Stimmen nicht los. Die Franzosen kamen auf den Gedanken mit Freibier, Gleichmacherei und Zechbrüderlichkeit, wonach Stimmen nur gezählt und nicht gewogen wurden.


    Falls Sie die Amerikaner mit ihren "One man, one vote" vermissen - da durfte zwar auch jeder weiße Mann wählen, doch je nach Bundesstaat und Wahl haben die Stimmen andere Gewichte. Bei Präsidentschaftswahlen fallen sie schon mal ganz unter den Tisch, bei Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus sind Kalifornier Stimmvieh und Hawaiianer Edelwähler. Diese Zustände sind derart verworren, daß niemand so recht weiß, ob die USA überhaupt eine Demokratie sind. Soweit ich es verstehe, bekommt der Meistbietende das Amt und für die Wähler wird von Hollywood eine nette Show inszeniert.


    Von den Engländern, deren Adlige sich zu Fraktionen zusammengeschlossen hatten, wurden in dieses Wahlsystem die Parteien eingeführt. In Deutschland kam die Demokratie folgerichtig von oben, das Volk wurde von seinen Fürsten vor Demagogen und Funktionären beschützt. Preußen hatte sich damals mehr angestrengt, im Dreiklassen-Wahlrecht wurden die Stimmen tatsächlich zuerst gewogen und dann erst gezählt. Damals waren die Parteifunktionäre noch von zwei der drei Gewalten ausgeschlossen, die Exekutive wurde vom Fürsten ernannt, die Judikative nach Fähigkeit befördert. Nur die Legislative und die Kontrolle des Haushalts wurde den Demokraten überlassen.


    [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-3i.jpg','left']Derart geordnete Verhältnisse, bei denen die Macht weder dem dreijährigen Sohn von Themistokles noch den grundgütigen Finanzhaien der Wall Street ausgeliefert war, konnten die westlichen Demokratien nicht dulden. Es wäre ja wirklich lästig, wenn Kandidaten an die Macht gelangen, die nicht vorher gekauft worden waren. Deshalb wurden zwei Weltkriege angezettelt, um Deutschland der Herrschaft des Abschaums zu überantworten.


    Was wir in der BRD bekommen haben, ist eindeutig eine Demokratie, keine Laokratie. Das politische System hat sich obendrein wesentlich schneller zu einer Verschwörung gegen das Volk entwickelt, als das in der Antike möglich gewesen war. Es wurde ganz einfach das Schlechteste aus allen Formen der Demokratie zusammengewürfelt und daraus eine Regierungsoligarchie gebildet.


    Von den Engländern haben wir die Parteien übernommen. Parteiführer haben sich in Old England stilvoll in Klubs getroffen und dort fernab von Wahl- und Parteivolk ausgekungelt, was demnächst in der Regierung beschlossen wird. Mitglieder in diesem Klub waren Bankiers, Industrielle und ein paar andere Leute, die den Parteiführern gesteckt haben, wie ein gutes, ihren Interessen dienendes Gesetz auszusehen hätte. Als Gegenleistung haben diese reichen Leute die Kandidaturen von zuverlässigen Parteimitgliedern unterstützt.


    Heute setzen sich die Parteiführer in Hinterzimmern oder an sonstigen Orten zusammen, wo sie den Blicken des Wahl- und Parteivolks entrückt sind. Dort sprechen sie mit Bankiers, Industriellen und ein paar anderen Leuten ab, was demnächst in der Regierung beschlossen wird. Diese Mitsprecher stecken dabei den Parteiführern, wie ein gutes, ihren Interessen dienendes Gesetz auszusehen hätte. Als Gegenleistung unterstützen diese reichen Leute die Kandidaturen von zuverlässigen Parteimitgliedern.


    Parteiführer wird man auf dem Weg der Geheimgesellschaften. Lehrlinge werden geprüft und beobachtet, bei Zuverlässigkeit werden sie zu Gesellen befördert und dürfen eifrig für die Parteiführung arbeiten. Wer sich da bewährt und als beförderungswürdig eingestuft wird, darf zum Meister aufsteigen. Ja, und dann gibt es höhere Grade, und noch höhere Grade und schließlich richtig hohe Grade. Auf den Weg nach oben wird aussortiert, und sogar, wer sehr hoch aufgestiegen ist, kann dank einer einzigen Rede fallen. Die Loge weiß schließlich alles über ihre Mitglieder, und wer so ehrlich ist, daß man nichts gegen ihn in der Hand hat, kommt erst gar nicht so hoch, daß er in die Hinterzimmer der Parteiführung eingeladen wird.


    Neben den wunderbaren Parteien hat man das französische Modell übernommen, Sie wissen schon, freie Ausbeutung in der Wirtschaft, Gleichmacherei in der Bildung und Parteibrüderlichkeit in der Justiz. Stimmen werden nicht gewogen, sondern gezählt, das nähere bestimmt ein von den Parteiführern erlassenes Gesetz. One man, one vote, wäre natürlich viel zu einfach gewesen, deshalb hat man sich ein paar Nettigkeiten überlegt, wie Direktmandate und Zweitstimmen, Fünf-Prozent-Hürden und Parteiverbote. Parteiführer sehen sich als die neue Obrigkeit, die den Wählern zugestehen, was sie wählen dürfen.


    Zuerst stellen die Parteiführer Listen für die Wahlen auf. Auf diese Listen setzen sie zunächst ihre eigenen Namen, damit sie auf jeden Fall gewählt werden. Dann folgen die Namen von Parteibrüdern und -schwestern, die mit den Parteiführern gut stehen und als Abgeordnete verläßliches Stimmvieh abgeben. Die aussichtslosen Plätze füllen Alibi-Kandidaten, die ein paar Sympathisanten von der demokratischen Gesinnung der Partei überzeugen sollen. Sollte ein solcher Füllkandidat tatsächlich ins Parlament gelangen, bekommt er erfahrene "Tutoren" an die Seite gestellt und wird finanzpädagogisch überzeugt, daß er für die richtigen Gesetze stimmt. Er möchte schließlich wiedergewählt werden, da genügt kein Gewissen, da benötigt er die Partei.


    Damit wären wir wieder bei den Betonungs-Unterschieden von Volk und Abschaum, respektive von Volksvertreter und Volksverräter. In einer gut funktionierenden Parteien-Demokratie wird das Volk, also der wertvolle Teil im Färberkessel, von jeglicher Regierungsgewalt ferngehalten, während die Verunreinigungen oben schwimmen. Es heißt ja auch: seine Stimme abgeben. Wenn Sie Ihre Stimme abgeben, haben Sie keine mehr, sind folglich verurteilt, Ihren Mund zu halten. Und wer schweigt, also das Volk, stimmt zu, das ist die Grundregel der Parteien-Demokratie.


    [imgr]http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-3j.jpg[/imgr] Die Damen und Herren Politiker sitzen im Raumschiff Berlin und entscheiden dort zum Besten der Partei. Das gibt heute nicht mehr der dreijährige Sohn des Themistokles vor, sondern deutlich bösartigere Herrschaften. So ein Dreijähriger will noch keine Tributzahlungen für mythische Verbrechen in ferner Vergangenheit, er möchte keine Militäreinsätze in fernen, unbekannten Ländern, er möchte keine Steuererhöhungen. Der kleine Bengel ist mit Honigkuchen, einem Pony und Spielsachen zufrieden, bestenfalls möchte er, daß eine Kompanie vor seinem Kinderzimmer in voller Rüstung paradiert. Die heutigen Herren der Welt möchten Geld, Macht, Sklaven, Untertanen... also alles, was ihre Herrschaft auf ewig festschreibt. Dafür halten sie sich ihre Demagogen, die in Hinterzimmern erfahren, was sie zum Wohl ihrer Herren beschließen sollen. Wobei diese Hinterzimmer je nach Rang des Gekauften durchaus abgeriegelte und verschwiegene Luxushotels sein dürfen.


    Nicht das Fußvolk der CDU hat eine Angela Merkel in ihre Ämter berufen, sondern die hohen Logenmeister. Nicht die Wähler in Deutschland haben die D-Mark weggeworfen, sondern die hohen Logenmeister in den Parteien. Nicht das Volk von BRD und DDR hat die "Wiedervereinigung" verkorkst, sondern die hohen Logenmeister in der Politik. Nicht die deutschen Steuerzahler haben das Geld für die Rettung der Banken und der EU-Bankrotteure hinausgeworfen, sondern die hohen Logenmeister in den Parteien. Schauen Sie nach Berlin: Da hat vor einem halben Jahr die Regierung gewechselt, ein paar andere Gesichter sind dort eingezogen, ein paar Dienstwagen transportieren andere Gestalten als vorher, das war aber auch alles. Die Demokratie gegen die Interessen des Volkes ist erhalten geblieben.


    Wie sähe eine echte Volksherrschaft aus, eine Laokratie?


    Als erstes müssen wir die Gewalten trennen. Lassen wir doch das Volk wählen - ob nun Richter und Staatsanwälte (Judikative), den Bundeskanzler und die Ministerpräsidenten (Exekutive) und das Parlament (Legislative). Aber getrennt! Also nicht ein paar Volksverräter, die danach ihresgleichen in einträgliche Pöstchen hieven, sondern jede Macht für sich. Der Bundeskanzler muß sich die Mehrheit und die Zustimmung im Parlament suchen, die diversen Justizminister führen zwar eine Dienstaufsicht, sie entscheiden aber nicht über Beförderungen. Und wenn eine Richterin oder Staatsanwältin durch Unfähigkeit, Untätigkeit oder eigenartiger Rechtsauffassung auffällt, wird das Volk sie abwählen.


    Als zweites müssen wir die Parteien auflösen. Keine Parteien, keine Parteifunktionäre, keine Herrschaft der Hinterzimmer. Es ist viel schwerer, 300 unabhängige Abgeordnete zu kaufen, als einen Fraktionsvorsitzenden und ein paar Ausschußmitglieder. Noch schwerer wird es, wenn diese Parlamentarier ihre Entscheidungen vor dem Volk, vor ihren Wählern vertreten müssen. Ein kleines konstruktives Mißtrauensvotum, und schon ist die Politikerkarriere zu Ende. Die zweite Machtbasis der Parteien sind die Berufspolitiker. "Seit 30 Jahren erfolgreich für Sie im Stadtrat" - das ist für mich ein Hinweis, daß da jemand schnellstens abgewählt werden muß. 20 Jahre, 30 Jahre, 40 Jahre in der Politik? Das sind die wahren Sozialschmarotzer, welche die ganze Zeit dem Volk auf der Tasche gelegen haben!


    Es gibt zwei zuverlässige Verfahren, um sich Berufspolitiker vom Leib zu halten. Beide basieren auf einer zeitlichen Begrenzung der Macht. Richtig radikal wäre, gar nicht zu wählen, sondern die Abgeordneten durch einen Zufallsgenerator bestimmen zu lassen. So kämen wir zu einer breiten Vertretung aller Schichten des Volkes. Diese Abgeordneten brauchen keinen Reichstag, keine Büros, keine Fahrbereitschaften, kein Krawattengeld und keine Fernreisen. Die Damen und Herren Abgeordneten setzen sich einmal die Woche einen halben Tag in eine Videokabine und hören sich an, was die Regierung von ihnen will. Der Verdienstausfall wird vom Staat bezahlt, die Abgeordneten besprechen die Probleme mit ihren Arbeitskollegen und Volkes Meinung stimmt schließlich ab. Alle fünf Jahre suchen die Zufallsgeneratoren neue Abgeordnete - und es gibt keine zweite Chance, wer einmal drin war, kommt kein weiteres Mal hinein.


    Das andere Verfahren ist die direkte Wahl, wie gehabt. Eine Wahl, zu der sich jeder aufstellen lassen kann, der es möchte. Gewählt wird für eine Periode von acht oder zehn Jahren, alle vier oder fünf Jahre jeweils die Hälfte der Abgeordneten. Natürlich gibt es hier ebenfalls keine Wiederwahl und wenn sich ein Rentner aufstellen läßt, müssen die Wähler entscheiden, ob sie ihm zutrauen, die ganze Periode durchzuhalten und zu überleben.


    Sicher, es gibt andere Möglichkeiten, das zu organisieren. Hin und wieder gibt es Angelegenheiten, in denen zum Besten des Volkes über dessen Willen hinweg entschieden werden muß. Selbst eine Laokratie muß Steuern erheben und unpopuläre Entscheidungen treffen. Ist ein Parlament aus Zufallsabgeordneten oder Kleindemagogen dazu in der Lage? Auch wenn es unsere Parteiführer bestreiten: JA! Woher ich das wissen will? Weil es vor 2.000 Jahren auch geklappt hat! Die Germanen konnten es, die Stammesdörfer der Urzeit konnten es, selbst Schimpansenhorden schaffen das. Nur in einer Demokratie sind die Bürger zu blöd dafür. Sagt zumindest der herrschende Abschaum.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon