Michael Winkler: Verstanden, aber nicht begriffen.

  • [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-15.jpg','left'] Charles de Gaulle soll einmal eine Wahl damit gewonnen haben, daß er sich auf einen Balkon gestellt und gerufen hat: "Ich habe verstanden!" Es ging um die Interessen der Franzosen auf dem Maghreb, und in der Folgezeit hat der General genau das Gegenteil dessen getan, was diese erwartet haben. Es genügt also nicht, daß Politiker etwas verstehen, viel wichtiger ist, daß sie auch aus diesem Verständnis heraus handeln. Verstehen hängt von der Wortbedeutung mit dem Verstand zusammen, also mit dem Kopf. Das dazu synonym gebrauchte begreifen hat dagegen das Greifen in seinem Wortumfeld, das in die Hand nehmen und eben letztlich das Handeln.


    Raucher kennen das Problem: Schon ohne diese netten Aufschriften auf den Zigarettenpackungen haben sie verstanden, daß sie mit ihren Räucherstäbchen ein gesundheitliches Risiko eingehen, die Konsequenz, das "Begreifen", weisen sie von sich und rauchen munter weiter. Und ja, es gibt durchtrainierte, asketische Gesundheitsapostel, die mit 35 vom Herzinfarkt dahingerafft werden, während Kettenraucher bei bester Gesundheit 90 werden. Die Lotterie des Lebens verteilt eben neben vielen Nieten auch richtige Hauptgewinne.


    Wenn der "Mann auf der Straße" heute nach Griechenland gefragt wird, dann antwortet er bereitwillig und durchaus richtig: die Griechen haben betrogen, um in den Euro hineinzukommen, unsere Politiker haben betrogen, weil sie die Griechen hineingelassen haben und die Merkel reist immer nur draußen rum und ist immer weit weg, wenn es bei uns kritisch wird. Ja, der Mann hat verstanden, das läßt sich nicht leugnen. Richtig lustig wird es, wenn die Frage gestellt wird, ob er noch Vertrauen zu unseren Politikern hat. Das artet durchaus zu einer Schimpftirade aus, mit dem Wunsch: "die gehören alle auf den Mond geschossen." Ja, er hat wirklich verstanden.


    Natürlich könnten wir jetzt die Frage stellen, was dieser Herr denn zu wählen gedenkt. Das wäre jedoch nicht zielführend, da unser Mann von der Straße gerade so schön in Fahrt ist. Wir haben uns schließlich ein intelligenteres Exemplar ausgesucht, das uns jetzt nicht treuherzig "CDU" antwortet. Stellen wir die Frage also geschickter: "Haben Sie schon einmal daran gedacht, NPD zu wählen?" Der Mann, der gerade alle Politiker zum Mond schießen wollte, weil er sich von diesen von vorn bis hinten beschissen fühlte, zuckt jetzt zusammen, spricht von "Neonazis" und "brauner Bagage".


    Ob die NPD wirklich etwas ändern würde in diesem sogenannten Staat, läßt sich nicht beurteilen, weil die NPD noch nie an einer Regierung beteiligt war. Wie sehr eine Regierungsbeteiligung eine Partei verändert, haben wir bei den Grünen gesehen, die als ökologisch-pazifistische Bewegung gegründet worden sind und, kaum waren sie in der Bundesregierung, die Bundeswehr in den ersten Kriegseinsatz ihrer Geschichte geschickt haben. Rot-Grün hat behauptet, Deutschland am Hindukusch verteidigen zu müssen, nicht die Merkel-CDU (die allerdings im Irak mitspielen wollte).


    Eines ist jedoch sicher: die einzige Partei, deren Prozente die Blockflöten zu kollektivem Aufschrei veranlassen, ist die NPD. Unser Vorzeige-Mann von der Straße, der Politiker zwar zum Mond schießen möchte, plappert plötzlich deren Propaganda nach. Der Mann hat verstanden, ja, aber er hat nicht begriffen. Vielleicht erklärt er, daß er gar nicht mehr zur Wahl gehe. Ja, gut - wenn ich die Augen schließe, sehe ich den angreifenden Löwen nicht mehr. Das hilft zwar nicht, aber es beruhigt für einige Sekundenbruchteile. Gefahren verschwinden leider nicht, wenn man den Kopf in den Sand steckt.


    [imgr]http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-14.jpg[/imgr] Drei Prozent NPD verändern nichts, acht Prozent ebenfalls nicht - zwölf Prozent schon, weil das als gelbe Karte für die Blockparteien wirkt. Unsere Politiker regieren seit 60 Jahren ungestört. In der BRD gab es keinen 17. Juni 1953 und keine Montagsdemonstrationen von 1989. Es gab keine Generalstreiks, nur die "68er" und die "RAF". Die 68er haben ein wenig protestiert, mit dem Ziel, sich vom Staat kaufen zu lassen. Die damaligen Kommunarden sind zum größten Teil beim Staat untergekrochen, bei jenem Staat, den sie zu bekämpfen vorgaben. Ob Lehrer oder Politiker, sobald Geld geflossen ist, waren die vorlauten Schnauzen gestopft. Noch besser war die RAF, die sich von der BRD-Obrigkeit instrumentalisieren ließ. Die RAF wurde vom Verfassungsschutz benutzt, wie heute die Al Qaida von der CIA. Wann immer Freiheitsrechte eingeschränkt werden sollten, wurde die RAF bemüht, und wo unbequeme Leute im Weg waren, erschien eine "neue Generation" der RAF, die sie abgeschossen hat.


    Für kleine Kinder ist der Ratschlag: "Mach das nicht!" durchaus angebracht. Das Herzmittel der Großmutter ist eindeutig kein Bonbon und der Respekt vor einer heißen Herdplatte oder einer Steckdose bewahrt vor unangenehmen Erfahrungen. Elterliche Fürsorge darf aber niemand mit Ratschlägen des machtbesessenen Dienstwagenadels verwechseln. Deren "Mach das nicht!" muß sogar kritisch hinterfragt werden. Da dahinter fast immer blanker Eigennutz steckt.


    Gerade heute hat die Main-Post, mein lokales Käseblättchen, eine Seite mit "Anlage-Ratschlägen" herausgebracht: Vierspaltig, geschätzte 400 Druckzeilen. Keine fünf Zeilen haben sich mit Gold befaßt (als Beimischung, zu einem geringen Anteil), Silber kam überhaupt nicht vor. Dafür wurden AKTIEN als Altersvorsorge empfohlen, für einen 64jährigen. Natürlich "Blue Chips", also die Aktien von richtig großen Firmen. Wiederholt wurde auf den "Einlagensicherungsfonds" hingewiesen, ohne zu erwähnen, daß dieser tolle Fonds gerade einmal 4,7 Milliarden Euro enthält. Das ist nicht einmal der oft genannte Tropfen auf den heißen Stein, wenn es wirklich ernst wird.


    Sicher, die Main-Post ist keine Finanzzeitung, da wurde ein Redakteur, der sonst über das 125jährige Firmenjubiläum einer Konditorei berichtet, dazu gebracht, sich an einen vor zwanzig Jahren absolvierten Lehrgang zu erinnern. Folgerichtig hat er das empfohlen, was vor zwanzig Jahren durchaus richtig gewesen war: Diversifizieren! Also "sichere" Staatsanleihen, "sichere" Unternehmensanleihen, "sichere" Immobilien und "sichere" Aktien - allesamt Papieranlagen. In den letzten 5.000 Jahren hat jedoch nur eine einzige Anlageform alle Fährnisse und Währungsreformen überstanden: physisches Edelmetall, Gold und Silber.


    Besuchen wir wieder unseren "Mann auf der Straße", diesmal in seiner gemütlichen Wohnung. Flachbildfernseher, Schrankwand, Ledersofa, Einbauküche, Whirlpool - alles ist vorhanden, was einem das Leben angenehm macht. Die Raten dafür werden ganz bequem jeden Monat abgebucht. Jetzt fragen wir unseren Vorzeigeversteher einmal nach dem Euro. Klar, damit kennt er sich aus. "Der Euro hat fertig", sagt er uns, "das kriegen die nie wieder hin."


    Damit widerspricht er den qualitätsfreien Medien, die in befohlener Euphorie die Griechenland-Hilfe als "Euro-Rettung" feiern, die den Spekulanten das Geschäft verhagelt hätte und nun dem Esperanto-Geld eine sichere Zukunft ermöglicht. Die leiseren Zwischentöne, wie: "Bei der Währungsreform ist die Frage nicht mehr das ob, sondern nur noch das WANN", hat unser Ledercouchbesitzer herausgehört und natürlich verstanden. Nur leider denkt der Mann auf der Couch, daß nach dem Euro die Mark kommt, in aller altgewohnten Herrlichkeit.


    [img='http://www.bilder-hochladen.net/files/ey5e-13.jpg','left'] Hat er wirklich genau hingehört? Die Denglisch sprechenden Fachleute erwähnen hin und wieder einen "Haircut", was im deutschen Sprachgebrauch nicht als "Haarschnitt", sondern als "Rasur" bezeichnet wird. Bei einer Währungsumstellung wird nicht rasiert, da wird alt gegen neu getauscht. Ganz streng genommen haben wir das zu Zeiten der Mark mehrmals erlebt, alte Scheine wurden durch neue des gleichen Werts ersetzt. Hundert Mark blieben hundert Mark, wurden gute 51 Euro und werden hoffentlich wieder hundert Mark. Das hat der Couchbesitzer verstanden.


    Aber was hat er leider nicht begriffen? Eben jenes kleine Detail, daß es diesmal zum Barbier geht, zur Rasur, zum Haircut. Es gibt nämlich zu viel Reichtum auf der Welt. Ja, ja, ehrlich, auch wenn Sie persönlich davon weniger betroffen sind. Das wird sogar in den qualitätsfreien Medien offen zugegeben. Na gut, nicht ganz offen, die sagen, es gäbe zu viele Schulden auf der Welt, doch die Schulden sind nur das Spiegelbild des Reichtums. Die Schulden des Einen sind das Guthaben des Anderen, also gibt es bei zu vielen Schulden zu viel Reichtum. Dieser sprießende Reichtum muß wegrasiert werden. Das geht am schnellsten mit einer Währungsreform.


    Selbstverständlich geht es dabei nicht um den Reichtum der Rothschilds und der Rockefellers, auch nicht um den von Bill Gates oder Warren Buffet. Die "Reichen", die ihr Geld verlieren sollen, sind - SIE! Die allseits bekannten Milliardäre haben sich längst eingedeckt, nicht mit Staats- oder Unternehmensanleihen, sondern mit jenen Sachwerten, die eine Währungsreform unbeschadet überstehen: Gold und Immobilien, Ländereien und Unternehmen, Minen und Patenten. Die Staats- und Unternehmens-Anleihen, die Ihnen der nette Bankberater und das ferngelenkte Käseblättchen empfehlen, werden allesamt rasiert, ihr Wert wird radikal reduziert, wenn nicht gar vernichtet.


    Es klingt lächerlich, aber es ist leichter, 300 Millionen EU-Bürgern jeweils 15.000 Euro abzunehmen, als einem einzigen Superreichen fünf Milliarden. Gegenüber Gold haben sich Ihre Ersparnisse bereits gedrittelt, seit der Euro eingeführt wurde. Niemand regt sich darüber auf, das wird stillschweigend akzeptiert. Die erste Rasur ist längst passiert, die nächste wird ebenfalls hingenommen. 80 Millionen Deutsche lassen sich leichter scheren, als 10 Millionen Griechen. Schalten Sie nur die Nachrichten ein - deutsche Rentner nehmen Nullrunden gelassen hin, Griechen gehen schon bei der Androhung auf die Straße.


    Deutsche sind es gewohnt, Zahlmeister der ganzen Welt zu sein, ob nun EU oder Israel, ob Reparationen an die USA oder für den Versailler Vertrag. Deutschland bezahlt, bezahlt, bezahlt - und die Deutschen nehmen das hin. Zum Ausgleich gibt es ein Schulterklopfen und den Hinweis, daß dies nötig sei, um für die unendliche und nie abzutragende Schuld zu bezahlen. Nach der Währungsreform gerne auch in neuen Mark.


    Was bedeutet eine Währungs-REFORM im Gegensatz zu einer Währungs-UMSTELLUNG? Bei einer Umstellung gibt es für eine alte Einheit eine wertgleiche neue Einheit, bei einer Reform nicht. 1923 gab es für eine Billion alte Einheiten (für Fiinanzminister: das ist eine Eins mit zwölf Nullen) eine einzige neue Einheit. 1948 gab es für 100 alte Einheiten 6,50 neue Einheiten. Spargeldbesitzer wurden dabei jedesmal gründlichst rasiert. Immobilieneigentümer haben zunächst freundlich gegrinst, dann wurden Zwangshypotheken und Sondersteuern verhängt, damit ihnen das Lachen vergeht. Und Goldbesitzer? Die sind in den Keller gegangen und haben sich ins Fäustchen gelacht, denn denen ist nichts passiert. Die haben ihren Schatz ungeschmälert behalten.


    Damit wären wir bei einer weiteren Feinheit der deutschen Sprache. Der Eigentümer ist der juristische Herr über ein Gut, der Besitzer der tatsächliche Herr, der darauf "sitzt". Es nützt Ihnen wenig, wenn Sie ein Stück Papier in der Hand halten, daß Sie irgendwo zentnerweise Gold hinterlegt haben. Die Deutsche Bundesbank hält solche Papierfetzen in Händen, über 3.500 Tonnen Gold, das angeblich in Manhattan / New York lagert. Im Zweifelsfall ist das kein wirkliches Gold, sondern nur die 80 Tonnen, die im Tresor in Frankfurt lagern. Gold gehört nicht ins Bankschließfach, sondern unter die eigene Matratze. Nur dann "sitzen" Sie darauf, nur dann sind Sie der Be-Sitzer.


    Schauen wir uns in der Wohnung unseres Mannes von der Straße um. Wir wollen diese Wohnung nicht auf den Kopf stellen, deshalb verleihen wir uns einen Röntgenblick. Ja, und was sehen wir dann? Vorräte für sechs Monate, falls die Versorgung zusammenbricht? Oder falls es Lebensmittelkarten gibt? Nein, bestenfalls reicht es für eine Woche. Gold und Silber? Nein, leider nur Konto- und Depotunterlagen, über Staatsanleihen und Aktien, also über solche Werte, die in der Währungsreform rasiert werden. Er hat verstanden, aber leider nicht begriffen.


    Wie sieht es mit den Zehn-Euro-Silberlingen aus? Die sind ein interessanter Indikator: Vor anderthalb Jahren haben Sie zehn Euro hingelegt und dafür für gerade einmal sechs Euro Silber bekommen. Morgen, am 6. Mai 2010, wenn die nächste Serie ausgegeben wird, bekommen Sie für Ihre zehn Euro soviel Silber, daß dieser Silberling als Anlagemünze bereits 9,20 Euro kosten würde. Aus der vormaligen Bargeldreserve wird damit eine echte Silberanlage, die ihren Wert bei einer Währungsreform beibehält.


    Es fällt uns Menschen schwer, wirklich langfristig zu denken. Wenn wir heute bei strahlender Sonne im Biergarten sitzen, gehen wir ganz selbstverständlich davon aus, daß wir morgen ebensolches Wetter haben. Wir wissen zwar, daß der Winter kommen wird, aber mit der gleichen Sicherheit verabreden wir uns für morgen wieder im Biergarten. Wir liegen damit oft genug richtig, deshalb haben wir uns daran gewöhnt.


    Wir haben verstanden, aber eben in der Mahrzahl nicht begriffen. Wir sitzen auf der Couch und sehen die Nachrichten, die uns die "Schrift an der Wand" ersetzen. Morgen sind die Läden noch offen und es gibt alles, was wir uns wünschen und bezahlen können. Aber schon übermorgen sieht alles ganz anders aus, da haben die Politiker zugeschlagen. Die Politiker, die "wir" gewählt haben, oder die an die Macht gekommen sind, weil "wir" den Kopf in den Sand gesteckt haben. 2010 ist es zu spät, um NPD zu wählen, das hätten "wir" 2009 machen sollen.


    Wer nicht hören will, muß fühlen - ein altes Sprichwort. Wer nur versteht, wird begreifen lernen, auf dem harten, schmerzhaften Weg. Wenn die Deutschen endlich begriffen haben, möchte ich auf gar keinen Fall Politiker sein.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

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