Michael Winkler: Warum der Euro stirbt.

  • [img='http://www.qpic.ws/images/i5X89103.jpg','left'] "Der Euro ist Versailles ohne Krieg" - an diesen Satz von Francois Mitterand sollte man immer denken, wenn man über den Euro spricht. Mit Versailles meinte er natürlich nicht die Gründung des Deutschen Reiches 1871, sondern den Versuch, dieses Reich über Jahrzehnte, wenn nicht gar für immer zu ruinieren, von 1919. Natürlich hat ein Helmut Kohl, der Kanzler des deutschen Unglücks, diesen Satz ganz gezielt überhört. Der Euro hat seit seiner Einführung als umlaufendes Zahlungsmittel mindestens die Hälfte seiner Kaufkraft verloren, auch wenn die geschönten offiziellen Inflationszahlen das anders darstellen. Vergleichen Sie einfach den Inhalt Ihres Einkaufswagens mit der Summe auf dem Kassenzettel, dann wird Ihnen das auffallen.


    Seit der Einführung des Euros sinken in Deutschland die Reallöhne - natürlich nicht bei Managern und Politikern, sondern bei den "einfachen Leuten", also bei jenem Teil der Bevölkerung, der den Reichtum dieses Landes erarbeitet. Deutschland zahlt in alle EU-Kassen die höchsten Beiträge, Deutschland liefert seinen Außenhandelsüberschuß bei der EU ab, damit die anderen Länder der Eurozone damit ihre Ölrechnungen und ihr Plastikspielzeug aus China bezahlen können.


    Der Euro ruiniert Volkswirtschaften


    Was Mitterand und natürlich Kohl, Genscher und Waigel nicht bedacht haben: Der Euro ist eine Massenvernichtungswaffe gegen Volkswirtschaften. Deutschland bezahlt mehr, das ist die eine Seite der Medaille. Andere Länder bezahlen weniger, und genau dieser Effekt ist schädlich. Es klingt seltsam, daß niedrigere Zinsen eine Volkswirtschaft ins Verderben führen, das ist jedoch in der menschlichen Natur begründet, in der unbegrenzten Gier der Akteure, in einer Welt, in der Geld über alles geht.


    Bei Krediten gibt es eine nette Regel: Die Leute, die auf den Kredit wirklich angewiesen sind, also jene mit geringerer Bonität, bezahlen mehr dafür. Die „PIGS“-Staaten, Portugal, Italien, Griechenland und Spanien hatten allesamt schwindsüchtige Währungen gehabt. Italien-Urlauber haben Jahr für Jahr für Ihre harte Mark immer mehr Lire bekommen, zuletzt etwa 1.000 Lire für eine Mark. Ein Kredit in einer Währung, die während der Laufzeit an Wert verliert, ist um diesen erwarteten Wertverlust teuerer, denn das wird gleich eingepreist. Hypotheken in diesen Ländern waren für unsere Verhältnisse unerschwinglich, mit Zinssätzen über zehn Prozent.


    Mit dem Euro hatten diese Länder plötzlich eine stabile Währung, mit der sie in den Genuß niedriger Zinsen kamen. Es wurde leichter, sich zu verschulden, und diese Länder haben das ausgenutzt. Wo Deutschland durch gestiegene Zinsen gebremst worden ist, da der Euro niemals die Reputation der Mark gehabt hatte, wurde in anderen Ländern unablässig aufs Gas getreten. Die neue Bonität war jedoch nicht erarbeitet worden, sondern sie fiel gleichsam vom Himmel. Diese Länder hatten keine Zeit bekommen, sich an die stabile Währung zu gewöhnen, es geschah von einem Augenblick zum anderen.


    [imgr]http://www.qpic.ws/images/1bb89137.jpg[/imgr] Griechenland hätte es mit der Drachme schwerer gehabt, das, was sich die Griechen geleistet haben, wäre nicht gegangen, weil die Kredite zu teuer geworden wären. Von 2001 bis 2010 sind die Löhne in Griechenland um 91% gestiegen, in Deutschland nur um 15%. Ein griechischer Beamter, der mit jugendlichen 49 Jahren zur Rente gezwungen wird, erhält 80.000 Euro Abfindung und darbt mit 90% seines letzten Gehalts als Rente dahin. Unverheiratete Töchter griechischer Generäle erhalten eine Staatspension, gerne auch lebenslang. Natürlich sind das Auswüchse für privilegierte Teile der griechischen Gesellschaft, aber es zeigt den Umgang mit Geld. Eine schwindsüchtige Drachme hätte die anfangs so großzügige Pension entwertet, durch den Euro wurde diese Luxusversorgung festgeschrieben.


    Speziell Spanien hatte in den letzten zehn Jahren einen ungeheueren Bauboom erlebt. Überall, an jeder Ecke, entstanden neue Häuser. Hypotheken im stabilen Euro kosteten nicht mehr 10, 12 oder 15 Prozent, sondern 5 bis 7 Prozent. Damit konnten sich viele Leute plötzlich Häuser leisten, wer früh einstieg, profitierte vom Preisgefüge der Peseta und dem wachsenden Lohn in Euro. Steigende Nachfrage treibt den Preis, deshalb wurden die Immobilien immer teurer und die Späteinsteiger hatten das Nachsehen. Für sie wurde es teuer und Spanien muß sparen, weil sein Staatshaushalt aus dem Ruder gelaufen ist. Die Immobilienblase in Spanien ist eine direkte Folge der Einführung des Euros. Diese Blase ist inzwischen geplatzt, der Boom ist vorbei, zurück bleiben Ruinen in allen erdenklichen Stufen des Baufortschritts.


    Italien wurde von Jahr zu Jahr teurer. Zu Lire-Zeiten gab es einen Puffer, denn die Urlauber haben mit ihren Umrechnungstabellen festgestellt, daß die Preise in Mark gleichgeblieben waren. Die ständigen Preiserhöhungen haben die Italiener beibehalten, doch jetzt schlagen diese Erhöhungen auf die Touristen durch. Wer sich Italien nicht mehr leisten kann, kommt nicht wieder, die Italiener vergraulen so ihre Touristen.


    Der Euro hat nicht blühende, sondern verheerte Landschaften hinterlassen. Eine harte Währung, die unverdient vom Himmel gefallen ist, hat Volkswirtschaften zerstört, die darauf nicht vorbereitet waren. Das Ergebnis ähnelt übrigens jenem Versailles von 1919: Die durch deutsche Zahlungen fett und träge gewordene Wirtschaft Frankreichs wurde von der Weltwirtschaftskrise 1929 überrollt und kam bis zum zweiten Weltkrieg nicht mehr auf die Beine.


    [img='http://www.qpic.ws/images/ZRF89281.jpg','left'] Banken in Not


    Die Kredite für die Häuschenbauer in Spanien stammen womöglich von der Sparkasse nebenan. Immobilien sind schließlich eine sichere Sache, oder? So hatte man noch Anfang dieses Jahrzehnts gedacht, bevor allgemein bekannt wurde, was amerikanische Subprime-Kredite sind, oder die berüchtigten „Asset Backed Securities“, die sich als Wundertüten mit unbegrenztem Risiko erwiesen haben. Unsere Banken – und damit Ihre Spareinlagen – sind auch in Spanien im Feuer. Die Finanzierungen im Euro-Raum waren überall möglich, weil das Währungsrisiko ausgeschaltet war. Warum bei einer spanischen Bank verschulden, wenn eine deutsche Kreissparkasse noch günstiger und in der gleichen Währung finanziert?


    Die Banken haben aber auch den Staaten selbst Geld geliehen. In Griechenland sind 42 Milliarden Euro der deutschen Banken in Gefahr, in Spanien sind es über 240 Milliarden. Die Finanzkrise in den USA hat 176 Milliarden Euro deutsches Steuergeld für Bankenrettungen verschlungen, die Garantien unsere Bundeskanzlerin gehen bis zu 800 Milliarden. Das Geld, das am Mittelmeer riskiert worden ist, liegt auf dem ach so sicheren Sparbuch von Oma Tüttelbek.


    Oma Tüttelbek braucht sich jedoch nicht zu sorgen, Bundeskanzlerin Merkel garantiert persönlich für ihre Spareinlagen. Das Geld für diese Garantie nimmt die Kanzlerin jedoch nicht aus Fortunas unerschöpflichem Füllhorn, sie läßt dafür auch nicht das Tafelsilber aus dem Kanzleramt einschmelzen. Das Geld stammt aus Ihren Taschen, denn es ist das Geld der Steuerzahler, das den Banken ihre Fortexistenz garantiert. Im Notfall wird Ihnen, den Bürgern, den Betroffenen, den Enteigneten, das Geld für diese Garantie aus den Taschen gezogen. Die Regierung enteignet Sie ein zweites Mal, um Ihnen das Geld der ersten Enteignung zu erstatten. Die Kosten für diese Umverteilung tragen Sie natürlich ebenfalls, Ihnen wird also mehr abgenommen, als Sie zurück erhalten.


    Schulden sind Guthaben


    Die Kreditvergabe gleicht einem Kettenbrief, aus vergleichsweise wenig Eigenkapital entsteht eine geradezu unendliche Kette von Krediten und Guthaben, es werden Millionen, ja Milliarden aus dem Nichts geschaffen. Wenn ein Josef Ackermann von Eigenkapitalrenditen in Höhe von 25% und mehr spricht, erreicht er das nur, indem er hebelt, also mit dem Eigenkapital viel Geld schöpft. Diese gigantischen Geldbeträge sind jedoch aufgetürmte Kartenhäuser. Die auf den ersten Blick unglaublichen Renditen reichen gerade aus, um zwei bis drei Prozent der Kreditsummen abzudecken. Die Banken haben Rücklagen für Risiken, doch diese sind ebenfalls gering, vielleicht zwei Prozent der Kreditsumme.


    Wenn Schulden uneinbringbar werden, geraten Banken in Schwierigkeiten. Bestenfalls fünf Prozent Verlust können sie verkraften, dann wird es gefährlich, die Kette aus Schulden und Guthaben gerät in Unordnung. Dann schmilzt das Eigenkapital schneller als ein Schneeball in der Hölle, dann wackeln die Banken - und werden von der Kanzlerin mit Ihrem Steuergeld gerettet. Jedem vergebenen Kredit steht ein Guthaben gegenüber, das ist eine eiserne Regel der Buchführung. Müssen Schulden abgeschrieben werden, verschwinden diese Guthaben. Wenn das durch Kredit geschaffene Geld verschwindet, weil der Kunde zahlungsunfähig wird, ist das Eigenkapital der Bank schnell verbraucht. Einige Löcher lassen sich durch die Zinseinnahmen füllen, aber eben nicht alle. Fallen die Kreditnehmer aus, wackeln die Banken oder sie brechen sogar zusammen, darf der Steuerzahler einspringen.


    Wieder wirkt der Euro zerstörend: Bei Drachmen oder Peseten wären die Banken vorsichtiger gewesen, doch dank des Euros bestand kein Währungsrisiko mehr. Warum das Geld für drei Prozent dem deutschen Staat leihen, wenn Griechenland fünf bis sechs Prozent bietet? Staaten können doch gar nicht Pleite gehen, oder?


    Die Krise in Griechenland ist letztlich eine Vertrauenskrise


    Kredit kommt vom lateinischen Wort credere, von glauben. Ich glaube dem Kreditnehmer, daß er mir das Geld mit Zinsen zurückzahlen wird. Glauben heißt in diesem Fall Vertrauen. Ich als Privatperson kann immer untergehen, sterben, arbeitsunfähig werden oder untertauchen. Ein Staat hingegen ist groß und umfaßt Millionen Menschen, er kann in gewöhnlichen Zeiten nicht verschwinden, deshalb genießt ein Staat sehr viel Vertrauen und bekommt hohe Kredite, vor allem, wenn er eine stabile Währung besitzt.


    Griechenland ist vergleichsweise klein, wenn es den Staatsbankrott eingestehen muß, wird das für die deutschen Banken schmerzhaft, aber sowohl Banken als auch EU überstehen dies. Es geht ja nur um 42 Milliarden bei den deutschen Banken (Frankreich ist mit 80 Milliarden dabei).


    Der Währungsraum Eurozone genießt noch ein Gesamtvertrauen. Entgegen der Vertragsbestimmungen von Maastricht, durch die der Euro eingeführt wurde, erwarten die Länder, daß ihnen geholfen wird, daß es eine Solidargemeinschaft gibt. Das erwarten insbesondere die Drittländer, die mit der Eurozone handeln und den Euro als Reservewährung halten. Griechenland reicht gewissermaßen bis zur Normandie, an die Biskaya und den Polarkreis, denn es wird als Bestandteil der Eurozone wahrgenommen. Wenn Sie in eine Glasscherbe treten, blutet nicht Ihr linker Fuß, sondern SIE bluten. Der Tropfen, der gerade aus der Schnittwunde tritt, war vor einer Minute noch in Ihrem Gehirn. So wird das von außen wahrgenommen, und wird der linke Fuß amputiert, ist der Gesamtkörper beeinträchtigt.


    Es geht aber noch viel weiter: Wenn Griechenland nicht geholfen wird, wieso sollte jemand Spanien helfen? Oder Italien und Frankreich? Wenn Griechenland den Staatsbankrott erklären muß, zerfällt die Eurozone damit von einem Block mit gemeinsamem Binnenmarkt zu einer Gemeinschaft von Staaten, die zufällig eine Zeitlang eine gemeinsame Währung gehabt haben. Der Euro verliert insgesamt an Vertrauen. Die Eurozone hinter dem gewaltigen Schild der Deutschen Bundesbank, so wurde das wahrgenommen. Wenn der Schild jedoch nicht mehr schützend über alle gehalten wird, bleibt von der Eurozone nichts mehr übrig.


    Es ist ein absolutes Dilemma: Griechenland ist klein genug, um gerettet zu werden, es ist ebenso klein genug, um unterzugehen. Beides, ob Untergang oder Rettung, führt leider zum Zerfall der Eurozone.


    1. Griechenland geht unter


    Die Folgen habe ich bereits geschildert. Geht Griechenland unter, schwindet das Vertrauen in den Euro. Der Euro als Ersatz für die Deutsche Mark hat ausgedient, wenn Deutschland einen Währungspartner untergehen läßt. Wir werden den Preis dafür an der Zapfsäule zu zahlen haben, ganz davon abgesehen, daß die ganze EU dann neu geordnet werden muß. Deutschland spart Geld an Direkthilfen für Griechenland, doch es zahlt durch eine schwache Währung. Diese nützt allerdings dem deutschen Export, das heißt, es gibt einen Profitausgleich.


    Den Untergang Griechenlands wird der Euro verkraften, vielleicht auch noch den von Portugal, doch wenn es Spanien oder Italien trifft, ist diese Währung erledigt. Ein Währungsbündnis hat große Ähnlichkeit mit einem Militärbündnis: Wird ein Mitglied angegriffen und die Bündnispartner greifen nicht ein, dann hat das Bündnis keinen Sinn mehr. Eine Währungsunion, deren Mitglieder eines nach dem anderen insolvent werden und untergehen, ist nicht mehr zu halten.


    Das Ende wird eine Währungsreform sein, die Geburtsstunde einer neuen Mark.


    2. Griechenland wird gerettet


    Griechenland kann nur mit viel Steuergeld gerettet werden. Genau das wird gerade vorbereitet, zuerst waren es 15 Milliarden Euro von der EU und 10 Milliarden vom IWF, jetzt stehen 30 EU- plus 15 IWF-Milliarden im Raum. Die Summen stehen angeblich schon bereit, Griechenland hat diese nur noch nicht angefordert. Griechenland steht vor der schweren Frage, von dritter Seite für ein Jahr gegen sieben Prozent zu leihen oder von der EU für drei Jahre gegen fünf Prozent. Wie würden Sie entscheiden?


    Der „Merkel-Plan“, erarbeitet von Frankreich und Deutschland, bei dem IWF und EU zusammenlegen, trifft uns gleich doppelt: Wir zahlen in den IWF und in die EU. Die 8,4 Milliarden Anteil für Deutschland, die in den Nachrichten genannt werden, sind nur ein Bruchteil dessen, was Merkel-Deutschland wirklich bezahlen wird. Spanien, Italien, Belgien, Irland und Portugal werden ihre Anteile kaum aufbringen können, sie leiden selbst unter Schuldenkrisen. Wer soll für sie einspringen, wer außer dem angestammten Zahlmeister der EU, also Deutschland?


    Und wie sieht es mit dem Internationalen Währungs-Fonds aus? Da ist Deutschland genauso gefordert, denn der kann nur das Geld seiner Mitglieder verleihen. Das heißt, die Bundesbank überweist die anteiligen Milliarden an den IWF, der dieses Geld nach Griechenland weiterleitet. Von den 45 Milliarden werden wohl eher 25 Milliarden aus Deutschland stammen, als die offiziellen 8,4. Aber vorerst wird Griechenland gerettet.


    Wir erleben dann ein Zwischenhoch für den Euro, das Vertrauen in diese Kunstwährung steigt, weil Deutschland bezahlt.


    Und dann zerbröselt Portugal. Wieder werden 25 Milliarden fällig.
    Spanien kostet wenig später 40 Milliarden.
    Italien 60 Milliarden...


    Oh, das kann alles bezahlt werden, mit „Fiat Money“. Das Geld wird einfach gedruckt und schon ist genug davon da. Das kennen wir von 1923. Auf diese Weise wird der Euro zerstört, weil sein Wert angesichts der steigenden Menge schneller und schneller verfällt.


    Im Endergebnis hat der Euro Europa nicht die kruppstahlharte deutsche Mark gebracht, sondern die makkaroniweiche italienische Lire.


    Was will die USA?


    Europa ist keine Insel der Seligen, sondern eine Weltregion unter vielen anderen. Im kalten Krieg war Europa für die USA wichtig, als strategisches Vorfeld gegen die Sowjetunion. In der neuen bipolaren Welt ist Europa nebensächlich, das Ringen um die Weltherrschaft findet über den Pazifik statt, zwischen den USA und China. Die USA können auf Europa verzichten!


    Die USA will vor allem eines: Ihren Status als Weltmacht behalten, dazu ist es wichtig, besser aus der Krise zu kommen als Europa. Der US-Dollar profitiert, wenn der Euro immer schwächer wird. Es ist wie bei der Flucht vor einem Tiger: Es genügt, schneller zu laufen als der Mitmensch, schneller als der Tiger ist nicht nötig, da dieser seine Jagd beendet, wenn er die langsamere Beute erlegt hat. Die USA könnte sich aus der Konkursmasse Europas genügend sanieren, um den Griff nach der Ölregion zu wagen. Der sterbende Euro füllt die reichlich gebeutelte Kriegskasse der USA.


    Die USA ist nicht mehr das reichste, sondern das am höchsten verschuldete Land der Erde. Die letzte verbliebene Weltmacht hängt am Tropf der Finanzmärkte. China, der geopolitische Rivale, stützt die US-Wirtschaft mit Billionen Dollar.


    Der grüne Dollar war seit 1973 eine Ölwährung, jetzt bröckelt dieser Status. Öl gibt es gegen Euro oder Rubel zu kaufen, der Dollar ist nicht mehr nötig. Erlangen die USA jedoch die Herrschaft über den Iran, kontrollieren sie die gesamte Ölregion und können damit den jetzigen Dollar entwerten, um ihre 12,7 Billionen Staatsschulden zu tilgen, und einen neuen Dollar schaffen, den wiederum jede Nation der Erde als Zahlungsmittel anerkennen muß, weil sie nur damit Öl kaufen kann. Wenn der heutige Dollar vor dem Euro untergeht, ist diese Option vom Tisch, weil dann die USA finanziell ausbluten. Hunderttausende Soldaten der USA sitzen in fremden Ländern fest und es fehlt das Geld, sie zu versorgen oder nach Hause zu holen. Geht hingegen der Euro zuerst unter, profitieren davon die USA. Die konkurrierende Währung ist verschwunden, der Dollar erlebt einen letzten Aufschwung, der militärische Nachschub ist gesichert.


    Die treueste Vasallenregierung der USA sitzt in Berlin. Wer immer dort in eine Führungsposition gelangt, ist ein verläßlicher Freund der USA, darauf achten alle Parteien. Griechenland retten kostet Deutschland sehr viel Geld und schwächt den Euro, wodurch der Dollar Auftrieb erhält. Ich gehe folglich davon aus, daß die USA die Rettung Griechenlands und aller anderen Staaten wünschen, bis zum bitteren inflationären Ende des Euros. Und ich gehe davon aus, daß Merkel genau das in die Wege leiten wird.


    Das wahrscheinlichste Szenario


    Gehen wir schlicht und einfach davon aus, daß Merkel-Deutschland wie immer der Musterknabe Europas und der Lieblingsschüler der USA sein wird. Die Bundeskanzler der BRD haben europäische Probleme immer mit dem Scheckbuch gelöst, so wird es auch diesmal erfolgen. Merkel wird einen Schattenhaushalt eröffnen, vermutlich über die KfW, damit die BRD nicht als Staat hilft. Griechenland bekommt das Geld, das es haben möchte. Das wird ein paar Wochen oder Monate gut gehen, mehr nicht. Der nächste Euro-Staat, der massive Hilfen benötigt, wird bald anklopfen.


    Nach den Wahlen vom 9. Mai werden in Merkel-Deutschland die Steuern erhöht. Die Mehrwertsteuer ist wahrscheinlich, aber auch die Pkw-Maut möchte ich nicht ausschließen. Vielleicht fällt unseren Regierigen sogar eine ganz neue Steuer ein, Hauptsache es kommt Geld in die Kasse. Diese Aktion wird wie 2006 während der Fußball-Weltmeisterschaft durchgezogen, da bricht plötzlich hektisches Regieren aus. Merkel setzt darauf, daß danach die Urlaubszeit beginnt und sich die Leute entspannt daran gewöhnen, daß die Weltmeister im Steuerzahlen bald noch mehr ausgeplündert werden.


    Der Euro ist durch solche Flickschusterei nicht zu halten, denn die Situation in Europa ist nicht mehr zu retten. Portugal, Italien, Spanien, Irland, aber auch Belgien – die Schuldenkönige werden alle instabil und benötigen eigene Rettungspakete. Diese werden dem Euro den Todesstoß versetzen.


    Die Staatsfinanzen


    Wir wissen, daß Deutschland faktisch insolvent ist, mit fast 1,8 Billionen Euro Staatsschulden. Was der Staat – alle Staaten – in ihren Finanzen treiben, würde einen Privatmann sofort ins Gefängnis bringen. Der Fachbegriff ist Wechselreiterei. Der erste Pfennig, den die Regierung Adenauer als Schulden aufgenommen hat, steht noch immer im Schuldbuch und wird verzinst. Aus der Untertanenperspektive sieht das ein wenig anders aus: Der Anleger kauft einen Bundesschatzbrief, behält ihn sieben Jahre und bekommt sein Geld verzinst zurück. Sein Geld? Nein, das Geld seines Nachbarn, denn das ursprünglich geliehene Geld hat der Staat längst verbraucht.


    Ich leihe mir heute 10 Euro fürs Abendessen, morgen leihe ich mir 20 Euro. 10 Euro zahle ich zurück und die anderen 10 Euro verspeise ich wieder. Übermorgen brauche ich dann 30 Euro... Als Privatmann kann ich das nicht, als Staat schon. Auf diesem Kartenhaus beruht das deutsche Finanzministerium.


    [imgr]http://www.qpic.ws/images/YJ689343.jpg[/imgr] Der Effekt ist dramatisch: Schäuble braucht nicht nur die 80 Milliarden Euro, die offiziell als Neuverschuldung im Haushalt verabschiedet sind, er benötigt fast 400 Milliarden, um die Altschulden zu refinanzieren. Das macht nicht nur Schäuble so, das machen alle Staaten der Welt. Diese Wechselreiterei, das tilgen alter Schulden durch Aufnahme von neuen, sorgt für einen gigantischen Geldbedarf aller Staaten. Nicht das Haushaltsloch ist für Griechenland gefährlich, sondern das Überrollen der Altschulden.


    Und dann kommt ein Bäckermeister und möchte 250.000 Euro für einen neuen Backofen. Er möchte Geld von Banken, die gerade die Milliarden aufbringen, die sich Schäuble zusätzlich leihen muß, um Griechenland zu helfen. Bekommt er seinen Kredit? Um es klar auszudrücken: Jeder Euro, den sich ein Staat leiht, ist ein Euro, den sich ein Geschäftsmann nicht mehr leihen kann. Und jeder Euro, den ein Geschäftsmann nicht geliehen bekommt, gefährdet Arbeitsplätze.


    Währungsreform


    Zuletzt möchte ich noch auf die Währungsreform eingehen. Eine Währungsreform ist eine wunderbare Gelegenheit für einen Staat, sich zu entschulden. 1948 wurden 100 Reichsmark auf 6,50 D-Mark umgestellt.


    Der Staat wurde damit 93,5% seiner Schulden los. Das heißt, alle Schulden bei seinen Bürgern. Ein gewisser André Kostolany hat damals deutsche Auslandsanleihen aufgekauft, die waren spottbillig, weil niemand geglaubt hat, daß die jemals bezahlt würden. Die BRD hat natürlich bezahlt, so wie sie heute noch für den Versailler Vertrag bezahlt. Beim gleichen Umtauschverhältnis würden aus 1.800 Milliarden Euro Staatsschulden auf diese Weise 117 Milliarden Neuer Mark Staatsschulden.


    Bei Privatschulden galt 1948 übrigens ein anderes Umtauschverhältnis: 100 zu 10. Man muß es auf eine persönliche Situation umrechnen, um die ganze Schönheit dieser Regelung zu erfassen: Ihre Schulden gegenüber der Bank hatten sich durch die Währungsreform um gut 50% erhöht. Ein Guthaben von 20.000 Reichsmark, das vor der Umstellung eine Hypothek von 20.000 Reichsmark abgelöst hätte, war danach nur noch 1.300 D-Mark wert, denen eine Hypothek von 2.000 D-Mark gegenüberstand. In alter Währung beträgt Ihre Hypothek jetzt 30.769,23 Reichsmark. Und dann kam noch der Lastenausgleich.


    Wenn der Staat nach einer Währungsreform schnell zu Geld kommen will, greift er besonders gerne bei Immobilien-Eigentümern zu. Die stehen im Grundbuch und sind deshalb alle bekannt. Den Wert ihres Eigentums ermitteln die Beamten aus Tabellen und dann wird eine Hypothek eingetragen, die der Eigentümer abzahlen darf. 30% oder 50% vom Verkehrswert? Der Staat war noch nie zimperlich, 1923 nicht und 1948 nicht. Warum sollte er es 2010 sein? Eine Währungsreform wird in aller Regel als Betrug am Bürger durchgeführt, als ein großer Raubzug des größten aller Räuber, des Staates. Den Banken, die durch ihre Profitgier einen großen Teil der Schulden verursacht haben, wird hingegen geholfen.


    Für die Währungsreform gibt es nur eine Vorsorge: Gold und Silber. Noch ist Gold mehrwertsteuerfrei, noch gilt für viele Silbermünzen die ermäßigte Mehrwertsteuer. Ich bin mir sicher, daß Schäuble bereits begehrliche Blicke darauf wirft. Gold und Silber sind Werte an sich, da steckt kein Polizeiknüppel darin. Gold und Silber sind zudem anonym, die Münzen lassen sich nicht rückverfolgen.


    Kostolany hatte eine einfache Anlagestrategie: Kaufen und liegen lassen. Die beste Anlage, die Sie heute haben können, ist Silber. Silber in Ein-Unzen-Münzen bekommen Sie für ein paar hundert Euro, da genügen kleine Beträge. Silber ist die beste Möglichkeit, Ihre Altersvorsorge durch die Währungsreform zu retten. Nach den Erwartungen von Experten erfährt Silber eine Kaufkraftsteigerung um das 20- bis 80fache. Kaufkraft, nicht Preis! Eine Unze kostet heute soviel, daß eine Person davon einen Tag leben kann, 15 Euro netto. Wenn Sie diese Münze nur herumliegen lassen, können Sie sich davon nach der Neuordnung der Weltwährungen einen Monat bis ein Vierteljahr ernähren.


    Der Euro stirbt, das ist eine Frage von Monaten. Ich bin kein Hellseher, ich kann keine wundersamen Wendungen vorhersagen. So, wie es jetzt aussieht, bleibt Ihnen nur wenig Zeit, um Ihre schwer erarbeiteten Spargroschen in Sicherheit zu bringen.


    Gäbe es eine Rettung?


    Ja, die kostet uns aber ein paar Flugzeuge. In einen A380 passen der komplette Bundestag, die Bundesregierung mit allen Staatssekretären und der Bundespräsident samt seiner Hofhaltung. Über dem Atlantik schalten wir die Triebwerke aus und organisieren Neuwahlen. Nach zwei bis fünf Abstürzen sind die US-Vasallen unter den Parteifunktionären aufgebraucht und eine vernünftige Regierung tritt aus Euro, EU und NATO aus. Diese Regierung konzentriert alle Staatsschulden auf die BRD, faltet diese zusammen und holt das Deutsche Reich aus dem Kofferraum.


    Fallen dann Bomben auf Berlin? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die USA haben dann ein Problem: Wenn sie Deutschland zurück in die Reihen der Vasallenstaaten treiben wollen, fehlen ihnen die Mittel für einen Krieg gegen den Iran und damit die Kontrolle über die Ölregion. Bis die diversen Flugzeugabstürze durchgeführt worden sind, vergehen schließlich ein paar Monate.


    Die Operation Neustart ist jederzeit möglich, aber leider wenig wahrscheinlich. Selbst das Deutsche Reich käme nicht um eine Währungsreform herum.


    Ist diese Rettung wahrscheinlich? Leider nein. Der Kelch wird nicht an uns vorüber gehen, wir müssen ihn bis zur bitteren Neige austrinken. Der rettende A380 wird nicht fliegen, er wird nicht abstürzen. Die Bundesregierung wird das Land in den Untergang des Euros regieren. Die Weichen für die Phase 5 sind gestellt, bereiten Sie sich vor. Der Tag, an dem der Euro stirbt, steht zwar noch nicht im Kalender, aber es wird nicht mehr lange dauern.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

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