Michael Winkler: Sch(l)afmenschen.

  • [img='http://www.qpic.ws/images/e3I82327.jpg','left'] Haben wir nicht wirklich mündige Bürger im Land? Bürger, die entschlossen, und ja, benützen wir dieses anmaßende Wort, couragiert auf die Straße gehen, um Mißstände anzuprangern? Bürger, die sich nichts gefallen lassen und sogar das unantastbare DDR-Regime gestürzt haben? Es begann mit den Atomkraftwerken. Sobald eine Atom-Anlage gebaut werden sollte, rannten die "mündigen Bürger" Sturm. Ob es nun ein Kernkraftwerk werden sollte, eine Wiederaufbereitungsanlage, ein Zwischen- oder Endlager, ein Forschungsreaktor oder auch nur ein Transport zwischen solchen Orten. Die Struktur solcher Protestbewegungen glich sich zumeist: Einer oder mehrere linksgrüne Doktoren oder Studienabbrecher, die alles bestritten, außer ihren eigenen Lebensunterhalt, ein paar rhetorisch unterwiesene Kampfemanzen für die Kameras, die von einem Atomkraftwerk gerade verstanden hatten, daß man dagegen protestieren kann, und zahlreiche Mitläufer, denen dieser Protest erlaubte, ihre überreichliche Freizeit mit etwas totzuschlagen, was sie als "soziales Engagement" bezeichneten.


    Atomkraftwerke werden in Vierzonesien keine mehr gebaut, deshalb geht es jetzt auf andere Energiequellen los. Wird irgendwo ein modernes Kohlekraftwerk geplant, das nicht einmal ein Drittel der Schadstoffe ausstößt, als die fünf alten Kraftwerke, die es ersetzen soll, wird protestiert. Warum Kohle, wenn doch Gas zur Verfügung steht? Leider greift das Argument zu kurz, vollständig muß es so lauten: Warum Kohle aus Deutschland verfeuern, wenn wir Gas aus Rußland beziehen können?


    Bekommt der protestierende Bürger seinen Willen und ein Gaskraftwerk soll gebaut werden, zieht die nächste schwadronierende Schafherde auf: Wozu überhaupt ein Kraftwerk, das mache ja nur Krach, stoße Abgase aus und verschandele die Landschaft. Keine Sorge, gegen Solaranlagen, Windkraftwerke oder Wasserkraft wird ebenso protestiert, aber wehe, es kommt zu Stromausfällen oder der Strompreis steigt! Dann hagelt es Protestbriefe, weil wieder einmal nicht vorgesorgt wurde.


    Wenn Strommasten brechen, hat das nur selten Auswirkungen, weil die meisten Gebiete Deutschlands mehrfach versorgt werden, es also genügend Ausweichleitungen gibt. Diese müssen nun einmal gebaut werden, sie durchziehen die Landschaft. Ich selbst schaue seit 40 Jahren auf eine Stromleitung und habe mich noch nie daran gestört. Selbst eine Schneise im Wald wegen solcher Leitungen ist für mich als Wanderer eine willkommene Abwechslung und für zahlreiche Tierarten eine willkommene Weide und Wohnstätte. Aber auch dagegen wird protestiert, mit Argumenten, die darauf hinauslaufen, daß sie Leute dort am Ende der Leitungen sehen sollten, wo sie ihren Strom herbekommen, solange das bloß vermeidet, daß hier ein einziger Strommast errichtet werden muß.


    Ja, wir haben wirklich mündige Bürger und jeder, der gegen etwas protestiert, was Arbeitsplätze oder die Versorgung sichert, darf sich der Gunst der Fernsehgewaltigen sicher sein und sein Anliegen ausgiebig vortragen. Diese gleichen ach so mündigen Bürger haben jedoch die Schnauze gehalten, als ihnen ihre vertrauenswürdige Währung weggenommen wurde. Diese gleichen ach so mündigen Bürger haben ebenfalls die Schnauze gehalten, als ihnen die EU-Verfassung aufgezwungen wurde und ihre Nachböserung, der Vertrag von Lissabon. Beides hat das Leben dieser Bürger weitaus stärker beeinträchtigt, als es ein Strommast oder ein Kohlekraftwerk je könnte.


    Oh, natürlich gibt es politischen Protest, der wird schließlich von staatlicher Seite aus koordiniert. Wenn es darum geht, irgendwo gegen das Deutsche und die angestammte Kultur zu protestieren, wird eine Herde Schafmenschen zusammengetrommelt und von mit Steuergeldern bezahlten Demagogen indoktriniert. Natürlich sehen die Schafmenschen, daß es in den Schulen immer weniger deutsche Kinder gibt. Aber deren Frauen müssen sich ja selbst verwirklichen, auch wenn diese großartige Selbstverwirklichung nur bedeutet, einen schlecht bezahlten ungeliebten Bürojob auszuüben, damit die Familie dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen kann. Deshalb erklärt man sich für multikulturell, weil ein mißratenes und von den Volksverhetzern gesteuertes Bildungssystem dafür gesorgt hat, daß die Schafe die eigene Kultur nicht kennen. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn islamische Haßprediger keine prächtige Moschee hätten, um über das deutsche Gastland herzuziehen und die Gläubigen an Koran und Dschihad zu erinnern.


    Wunderbar ist auch der Satz "null Toleranz gegen Rechts". Das ist die Aufforderung an die Betriebskampfgruppen, ihr revolutionäres Soll zu erfüllen. Für die alte DDR waren die Faschisten der ganze Westen, nachdem der ehemaligen FDJ-Propaganda-Sekretärin und heutigen Bundeskanzlerin diese Art Faschisten weggebrochen waren - sie konnte ja schlecht gegen George W. Bush demonstrieren lassen - brauchte sie neue Faschisten für die Betriebskampfgruppen. Mit ein wenig Steuergeld lassen sich Agitatoren ausbilden, die ihre Schafmenschen auf die Straße treiben, zum "Kampf gegen Rechts", zum Kampf gegen jene Werte, für die deren Großeltern noch in den Krieg gezogen sind.


    Dafür sind diese Schafmenschen die besten Schlafmenschen, wenn es darum geht, gegen die unverschämten Pensionen von Politikern zu protestieren, oder dagegen, daß abgehalfterte Politgrößen in der Wirtschaft die Belohnung für das einstecken, was sie in ihrer Regierungszeit verbrochen haben. Ein Walter Riester wird nicht von den Versicherungen beschäftigt, weil seine "Riester-Rente" so gut für die Versicherten ist, sondern weil sie den Versicherungen goldgeränderte Bilanzen verschafft.


    [imgr]http://www.qpic.ws/images/WZt82366.jpg[/imgr] Gutmenschen - als die sich selbst fühlen - protestieren gegen Internetzensur in China, übersehen dabei, daß die Internetzensur vor ihrer eigenen Haustür, auf ihren eigenen Computern stattfindet. Gutmenschen protestieren gegen die Behandlung von Dissidenten in Rußland, doch sie ignorieren, daß Dissidenten genauso in deutschen Gefängnissen einsitzen. Gutmenschen geben Geld, damit in Südamerika die Wälder erhalten werden, aber sie rühren keinen Finger, wenn in Deutschland abgeholzt wird.


    Gutmenschen nehmen die Welt selektiv wahr. Sie werden auf ein paar Probleme hingewiesen, der unerwünschte Rest wird ignoriert. Deshalb sind sie Schlafmenschen, weil sie das eigentliche Leben verschlafen, sich um den gleichmäßigen Rasen in ihrem Vorgarten kümmern, während um sie herum die Stadt abbrennt. Und sie sind Schafmenschen, die sich zu ihren "Meinungsäußerungen" treiben lassen wie eine Herde Schafe. Hinterdackelhofen ist bunt statt braun - weil die "Braunen" ein Zeltlager veranstalten, mit Geländespielen, wie die Pfadfinder. Wobei Schafmenschen bei Bedarf auch gegen Pfadfinder protestieren.


    Schafmenschen freuen sich, wenn im Fernsehen über ihre Demonstrationen berichtet wird, doch die meisten dieser Schafmenschen sind nicht bereit, sich namentlich zu identifizieren. "Ich, Volker Müller, Schafheide 17, 00017 Teckelsund, bin dafür, daß hier die Terror-al-Dschihad-Moschee gebaut wird." Haben Sie das schon einmal im Fernsehen erlebt? "Gesicht zeigen" - aber bitte nur in der Masse, wo einen keiner erkennt.


    Schafmenschen sind die besten Freunde einer repressiven Obrigkeit, weil sie eine leicht zu lenkende Masse darstellen. Allerdings sind die Schafmenschen immer gefährlich und müssen kontrolliert werden, denn mit den falschen Agitatoren lassen sich Schafmenschen ebenso leicht in die andere Richtung lenken. Deshalb gilt es, die Schafmenschen zu beschäftigen. In früheren Zeiten war das die Aufgabe der Kirche, und in vielen Staaten der Erde tut sie das noch immer. Wobei die Kirche nicht unbedingt die päpstliche sein muß, Islam, Kommunismus und Holocaust™ erfüllen den gleichen Zweck. Es ist egal, ob ein Papst zu einem Kreuzzug aufhetzt, ob der Genosse Staatsratsvorsitzende weitere Opfer für den entschlossenen Aufbau des Sozialismus' fordert oder ein Zentraler Empörungsrat bei jeder Gelegenheit an den unendlichen Opfergang des jüdischen Volkes erinnert.


    Schlafmenschen werden beschäftigt, in Rituale eingebunden, zu Versammlungen getrieben, auf die Straße zum Gesicht zeigen verhetzt. Schlafmenschen bekommen Spiele geboten, früher Gladiatorenkämpfe, heute amerikanische Ballerfilme im Fernsehen. Wobei die ganze Antike weniger Blut vergossen hatte, als Hollywood in einem einzigen Jahr.


    Eine Schafherde ist solange harmlos, bis sie in Panik losstürmt. Deshalb muß die Regierung dafür sorgen, daß Schlafmenschen weiterschlafen und nicht aufwachen, was auch immer passiert. Und sie muß dafür sorgen, daß die Schafe Verführer bekommen, die sie in jede beliebige Richtung treiben wollen. Die Schafe sollen für Moscheen und gegen Hochspannungsmasten protestieren, aber nicht gegen die Milliardensummen zur Bankenrettung. Hinterdackelhofen bleibt bunt und arbeitslos, weil das Kohlekraftwerk nicht gebaut wird, aber wenigstens demonstriert niemand gegen die Finanzhilfen für Griechenland.


    [img='http://www.qpic.ws/images/K8H82403.jpg','left'] Verfall der Euro-Währung, Rente mit 67, Hartz IV, Zeitarbeit, Generation Praktikum - die wirklichen Probleme dieser Zeit interessieren keinen Schafmenschen, solange sich jemand um die streunenden Hunde auf Mallorca kümmert. Damit das so bleibt, gibt es die qualitätsfreien Massenmedien. Das ist das, von dem Innen- und Propagandaminister früherer Zeiten nur geträumt haben. Rette einen Hund, und du kommst auf die Titelseite, rette die Ersparnisse deines Lebens und keiner erfährt es.


    Wir leben in einem Staat, dem alle Handlungsmöglichkeiten ausgehen. Mit Geld bist du ein Drache, ohne Geld eine Maus - das war ein Spruch, mit dem Kredite verkauft werden sollten. Die Tage des Drachen sind für Merkel-Deutschland vorbei, jetzt wird die bissige Maus hervorgeholt. Wir Deutsche sind Weltmeister im Zahlen von Steuern und Abgaben, trotzdem kommt dieser sogenannte Staat mit dem abgepreßten Geld nicht aus. Noch schläft die Schafherde gut und sicher, doch es steht ein schmerzhaftes Erwachen bevor.


    Die Regierung dürfte es noch einmal schaffen, den Zorn der Schafherde auf Unschuldige zu richten, das ist eine bewährte Methode, um von den eigenen Fehlern abzulenken. Aber selbst Schafe haben ein Gedächtnis. Mäuse, die Drachen spielen, werden dabei versagen. Wenn die Schafherde alles niedertrampelt, auf das sie gehetzt worden ist, und die versprochenen Verbesserungen bleiben aus, gibt das mehr Schafmenschen zu denken und bringt sie dem Aufwachen näher.


    Ja, das Phasenmodell gilt immer noch. In Phase 3 merken die Schafmenschen, daß sie geschoren werden. Von ihrem Pelz ist nicht mehr viel übrig, aber die letzten Ecken sind schmerzhaft. Die sozialen Unruhen der Phase 4 werden mit hoher Wahrscheinlichkeit kanalisiert, damit sie in der passenden Richtung verlaufen. In der Phase 5 werden die Schafe dann fertig geschoren, mit Versprechen, daß danach alles besser würde. Nur leider wird dieses Versprechen nicht gehalten. Die Schafmenschen wachen in der Phase 6 auf - wodurch, müssen wir abwarten.


    Quelle: Michael Winkler

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Carl Theodor Körner Deutscher Dichter, gefallen 1813 im Alter von 21 Jahren im Freiheitskrieg gegen Napoleon

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